Armin Gehl

Interview

E-Mobilität – Vision oder Irrweg?

Große Lücken in der Infrastruktur, Produktoffensiven der Automobilhersteller bei E-Fahrzeugen, nach wie
vor Zurückhaltung bei potentiellen Käufern von elektrisch angetriebenen Fahrzeugen: Wohin führt der Trend „E-Mobilität“? OEM&Lieferant sprach dazu mit Armin Gehl, Geschäftsführer des Vereins autoregion e.V., dem Automotivnetzwerk der Großregion Luxemburg, Saarland, Rheinland-Pfalz und der französischen Region Grand Est. autoregion e.V. wird getragen von Unternehmen, Verbänden, Forschungseinrichtungen und politischen Institutionen.

Herr Gehl, die deutschen Premium Automobilhersteller bieten dem amerikanischen Hersteller Tesla Paroli und bringen in den kommenden Jahren eine breite Palette elektrisch angetriebener Fahrzeuge auf den Markt. Werden damit die Kräfteverhältnisse auf den internationalen Märkten wieder zugunsten deutscher Hersteller arrondiert?

Armin Gehl: Ein klares ja! Die deutschen Hersteller werden ein Feuerwerk neuer Produkte abbrennen, welches die automobile Welt in Staunen versetzen wird. Der Medienhype, der um Tesla gemacht wurde, verebbt und die Produkte aus Deutschland werden einen Siegeszug antreten. Davon bin ich überzeugt! Qualität und Knowhow setzen sich durch!

Die Neuzulassungen elektrisch angetriebener Fahrzeuge in Deutschland sind nach wie vor unter den Erwartungen. Das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 eine Million zugelassene Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen zu haben, wird höchstwahrscheinlich nicht erreicht. Wie sehen Sie die Zukunftschancen der E-Mobilität?

Armin Gehl: Bringen wir E-Mobilität nicht mehr mit „Elektrisch“ in Verbindung, sondern sagen wir E-missionsfreies Fahren! Unter diesem Slogan wird die reine elektrische Antriebseinheit in Zukunft nur noch die Rolle des urbanen Verkehrs beaufschlagen!

Stichwort Infrastruktur – inwieweit hemmt die nicht vorhandene Infrastruktur die weitere Ausbreitung der E-Mobilität und was müsste von wem getan werden, um die Situation zu verbessern?

Armin Gehl: Es wird viel getan, um einen lückenlosen Ladeteppich in Deutschland aufzubauen. Von Seiten der Infrastruktur sehe ich keine großen Probleme, da in jeder Garage ein E-Anschluss vorhanden ist. Im öffentlichen Bereich wird vieles unternommen, um auch hier einen flächendeckenden Teppich aufzubauen. Gerade an Einkaufszentren wäre es notwendig, auch eine E-Ladeinfrastruktur zu bauen, damit gerade im urbanen Bereich der Durchbruch schneller passiert und somit der Zweit- oder Drittwagen zukünftig auf E-Basis läuft! Eine „Gefahr“ sehe ich noch darin, dass die Stromerzeuger in Zukunft auch von dem Kuchen ein Stück abhaben wollen und dann einen neuen Tarif für „Bewegungsstrom“ einführen werden!

Der Elektromotor ist im Vergleich zum Verbrennungsmotor deutlich weniger aufwändig, sowohl was die Anzahl der Bauteile als auch den Materialaufwand betrifft. Welche Konsequenzen hat das für die Hersteller- gerade auch im Hinblick auf die Beschäftigten?

Armin Gehl: Natürlich wird die Zahl der Beschäftigten zurückgehen. Aber wir werden auch mehr und besser ausgebildete Mitarbeiter brauchen, um in den Werken der Zukunft mit „Kollege“ Roboter umzugehen!

Ist der direkte Weg in die E-Mobilität nicht zu gewagt? Ist der Umweg über die Hybrid-Technologie nicht mittelfristig erfolgversprechender – gerade auch aus Umweltschutzgesichtspunkten?

Armin Gehl: Auch hier ein klares ja! Rein elektrische Antriebe sehe ich für den urbanen Bereich bis 100 km im Radius. Hybride in allen Variationen mit Diesel- oder Benzinantrieb sind die allerbeste Lösung bei Akkureichweiten bis 100 km.

Wie sehen Sie die Zukunft des Verbrennungsmotors und insbesondere die des in die Schlagzeilen geratenen Dieselmotors?

Armin Gehl: Der Verbrenner, ob Benzin oder Diesel, wird auch noch in 2050 zum Einbau kommen – davon bin ich überzeugt. Natürlich wird es dann nur noch Downsize-Varianten mit 2/3/4 Zylinderausführungen geben. Der BIG-Block hat ausgedient! Die Diskussion um den Diesel ist aus meiner Sicht nicht mehr „normal“. Hier wird etwas aufgebauscht, was in keiner Weise einer ordentlichen Studie verschiedener Einrichtungen von hochkarätigen Fachleuten standhält! Eine ganze Nation lässt sich von einem kleinen Abmahnverein vorführen.

Alle Welt spricht von der E-Mobilität als der Antriebsart der Zukunft. Werden dadurch die Entwicklungen alternativer Kraftstoffe wie Wasserstoff, Ethanol oder Erdgas an den Rand gedrängt und möglicherweise nicht weiterverfolgt?

Armin Gehl: Die Gefahr besteht. Aber ich bin mir sicher, dass Wasserstoff als Energiequelle im Bereich des Schwerlastverkehrs der Zukunft einen Siegeszug antreten wird. Auch Erdgas und synthetische Kraftstoffe werden nicht wegzudenken sein.

Welche Konsequenzen hat das Nebeneinander von Verbrennungsmotor, Hybrid-Technologie und E-Mobilität für unsere Automobilindustrie?

Armin Gehl: Eine Herausforderung, der wir gewachsen sind!

Zum Abschluss: Herr Gehl, fahren Sie ein Elektrofahrzeug oder können Sie es sich vorstellen, in naher Zukunft eines zu kaufen?

Armin Gehl: Ich fahre im fünften Jahr einen Plug-in-Hybrid Sportwagen, den ersten einer neuen Zeit – so der Werbeslogan. Ich bin damit sehr zufrieden und kann mir auch in Zukunft vorstellen, einen MercedesEQ einen Audi e-tron oder einen BMW i4 zu fahren.

Herr Gehl, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Gespräch führte Dr. Rudolf Müller

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