Dr. Rudolf Müller

Dr. Rudolf Müller

Liebe Leserinnen und Leser,

Grußwort von Dr. Rudolf Müller
(Technischer Redakteur bei OEM & Lieferant)

heiter bis wolkig – will man die aktuelle Situation der Automobilindustrie und deren kurz- und mittelfristigen Perspektiven beschreiben, ist die prägnante Formulierung aus der Wettervorschau durchaus zutreffend.

Heiter ist die aktuelle Situation, wenn man die Zulassungszahlen der
deutschen Automobilhersteller betrachtet. Ein sattes Plus von 12 Prozent im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat bei den Pkw-Neuzulassungen in Deutschland ist ein deutliches Ausrufezeichen. Bei den deutschen Marken
einschließlich deren Konzernmarken betrug das Plus sogar 15 Prozent. Seit Jahresbeginn sind fast 2.2 Mio. Pkw neu zugelassen worden – ein  Wert, der zuletzt 2009 erreicht wurde.

Die Wolken verzogen haben sich wohl über den Exportwegen in die Vereinigten Staaten. War im ersten Halbjahr angesichts angedrohter Erhöhung von Zöllen auf nicht-amerikanische Autos durch die US-Administration noch von einem Handelskrieg die Rede, scheint die handelspolitische Vereinbarung zwischen den USA und der EU zumindest eine verbale Abrüstung gebracht zu haben. Als global agierende Industrie – die deutschen Autobauer und ihre Zulieferer produzieren außerhalb Deutschlands mehr Autos als im Inland – ist und bleibt der freie Zugang zu den Märkten überlebensnotwendig.

Sorgen bereitet Herstellern und damit auch Zulieferern die Zertifizierung nach dem neuen WLTP – Abgastest, der deutlich länger als das bisherige NEFZ-Verfahren dauert, dafür aber für realistische Werte sorgen soll. Lieferverzögerungen bei fast allen Modellbaureihen sind die Folge, da auch Modelle, die bereits auf dem Markt sind, nochmals zertifiziert werden müssen. Produktionsdrosselungen im zweiten Halbjahr sind nicht mehr ausgeschlossen und die Fortschreibung der glänzenden Zahlen des ersten Halbjahres scheint zumindest fraglich.

Ein deutliches Zeichen zur Förderung der Elektromobilität hat die Bundesregierung mit ihrem Kabinettsbeschluss zur Firmenwagenbesteue-rung gesetzt. Trotz kritischer Stimmen aus dem Lager der Opposition ist diese Maßnahme zu begrüßen, auch wenn das von der Bundesregierung selbst gesteckte Ziel von einer Million zugelassenen E-Fahrzeugen im Jahr 2020 auch damit wohl nicht erreicht werden wird. Dennoch – will man auf den Auslandsmärkten mit elektrisch angetriebenen Fahrzeugen reüssieren, muss sich auch der Heimatmarkt für diese Produkte deutlich positiv entwickeln.

Die E-Mobilität in all ihren Ausprägungen und Anwendungen ist auch in dieser Ausgabe von OEM&Lieferant eines der beherrschenden Themen. Der Transformationsprozess vom Verbrennungsmotor über hybride Systeme hin zum reinen Elektroantrieb stellt die deutsche Automobil- und Zulieferindustrie vor gewaltige Herausforderungen. Dass diese Herausforderungen mit dem Anspruch angenommen werden, auch hier Maßstäbe auf Weltniveau zu setzen, beweisen nicht zuletzt die Beiträge unserer Autoren und Interviewpartner.

Sie machen OEM&Lieferant zu einem Forum, worauf die deutsche Industrie und ihre Service- und Dienstleistungspartner ihre neusten Entwicklungen, Technologien, Innovationen und Produkte präsentieren und darstellen kann – und das nicht nur in bewährter Print-Form, sondern cross-medial.

Dies eröffnet Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, die Möglichkeit, über Interaktionen, Verlinkungen und die Vernetzung zu Webinhalten und sozialen Medien deutlich mehr über Hintergründe und Zusammenhänge
zu erfahren, als dies in den Printbeiträgen möglich ist.

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen und Vernetzen. Wir danken unseren Autoren, Interviewpartnern und Anzeigenkunden für die gute Zusammenarbeit und laden Sie herzlich ein, auch in der nächsten Ausgabe, die im Frühjahr 2019 erscheinen wird, mit Beiträgen, Interviews und Anzeigen mit zum Erfolg der Magazins beizutragen.