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Interview mit Patrick Fischer-Riegert, Product-Compliance-Experte bei imds Professional GmbH zur PPWR
Die europäische Verpackungsverordnung (kurz PPWR für Packaging and Packaging Waste Regulation) ist bereits am 11. Februar 2025 in Kraft getreten und gilt grundsätzlich ab dem 12. August 2026 unmittelbar in allen EU-Mitgliedstaaten. Viele konkrete Anforderungen greifen allerdings erst schrittweise in den darauffolgenden Jahren.Doch um welche Verpackungen geht es konkret, welche Unternehmen sind betroffen und was müssen sie tun? Diese und weitere Fragen beantwortet Product-Compliance-Experte Patrick Fischer Riegert von imds professional.

BU: Patrick Fischer-Riegert (Bild imds-professional GmbH)
Was ist die PPWR und welche zentralen Ziele verfolgt sie?
Für mich ist die PPWR vor allem ein klares Signal der EU: Verpackungen sollen künftig nicht nur gut schützen und gut aussehen, sondern auch deutlich nachhaltiger werden. Es geht darum, Verpackungsabfälle zu vermeiden, weniger Material einzusetzen und Wertstoffe besser im Kreislauf zu halten.
Für Unternehmen heißt das, Verpackungen neu zu denken. Nicht nur als Pflicht, sondern auch als Chance, Prozesse besser aufzustellen und Verantwortung sichtbar zu machen.
Was genau ändert sich ab dem 12. August 2026 konkret für Unternehmen?
Für mich ist der 12. August 2026 vor allem der Startpunkt für die praktische Umsetzung. Ab dann gilt die PPWR grundsätzlich direkt in allen EU-Mitgliedstaaten.
Unternehmen müssen genauer wissen, welche Verpackungen sie einsetzen, wie diese aufgebaut sind und welche Anforderungen bereits gelten. Sie müssen außerdem klären, welche Rolle sie selbst haben und welche Informationen oder Nachweise sie von ihren Lieferanten brauchen.
Wichtig ist aber auch: Nicht alle Vorgaben greifen sofort. Viele Anforderungen kommen schrittweise in den folgenden Jahren.
Welche Pflichten gelten bereits ab diesem Datum und welche erst später?
Ab August 2026 geht es zunächst vor allem darum, Verantwortlichkeiten, Verpackungsdaten und Nachweise in den Griff zu bekommen. Unternehmen sollten also wissen, welche Verpackungen sie einsetzen, welche Materialien darin enthalten sind und wer für die jeweiligen Anforderungen verantwortlich ist.
Auch bestimmte Stoffbeschränkungen gelten bereits ab diesem Zeitpunkt, zum Beispiel die PFAS-Grenzwerte für Lebensmittelkontaktverpackungen.
Viele große Nachhaltigkeitsvorgaben werden dann ab 2030 konkreter. Dazu gehören die einheitliche Bewertung der Recyclingfähigkeit, Rezyklatquoten und Vorgaben zur Verpackungsminimierung. Ab 2035 wird zusätzlich wichtig, ob eine Verpackung tatsächlich in großem Maßstab recycelt wird.
Welche Unternehmen sind besonders stark betroffen?
Die PPWR betrifft alle Unternehmen entlang der gesamten Verpackungskette. Also zum Beispiel Unternehmen, die Verpackungen entwickeln, herstellen, importieren, befüllen oder vertreiben.
Besonders wichtig: Nicht jedes Unternehmen hat automatisch dieselben Pflichten. Entscheidend ist immer die konkrete Rolle. Wer ist für die Konformität der Verpackung verantwortlich? Wer bringt sie auf den Markt? Und in welchem Land wird sie später voraussichtlich zu Abfall?
Gerade bei Eigenmarken, Importen und internationalen Lieferketten kann das schnell komplex werden.
Inwiefern ist die Automobilindustrie betroffen?
Grundsätzlich ist die Automobilindustrie genauso betroffen wie alle anderen Branchen, denn die PPWR gilt branchenunabhängig.
Besonders anspruchsvoll ist die Umsetzung dort aber wegen der vielen unterschiedlichen Verpackungen und der komplexen Lieferketten. Bauteile, Ersatzteile und Zubehör werden ständig in Kartons, Folien, Paletten, Ladungsträgern oder Mehrwegbehältern transportiert.
Da kommen schnell viele Verpackungsvarianten und Lieferanten zusammen. Unternehmen müssen deshalb genau wissen, welche Daten vorliegen und wer für die jeweiligen Anforderungen und Nachweise verantwortlich ist.
Was steckt hinter der neuen Konformitätserklärung und wie aufwändig ist sie?
Die Konformitätserklärung ist im Grunde der formale Nachweis, dass eine Verpackung die jeweils geltenden Anforderungen der PPWR erfüllt.
Dahinter dürfen aber nicht nur Annahmen stehen. Der verantwortliche Erzeuger braucht technische Unterlagen, Materialinformationen und belastbare Nachweise.
Wie aufwändig das wird, hängt stark davon ab, wie gut ein Unternehmen heute schon aufgestellt ist. Wer seine Verpackungsdaten und Lieferantennachweise sauber vorliegen hat, kann das relativ strukturiert angehen. Wer die Informationen erst aus E-Mails, Excel-Listen und verschiedenen Abteilungen zusammensuchen muss, wird natürlich deutlich mehr Aufwand haben.
Welche Nachweise müssen Unternehmen erbringen?
Das hängt immer von der Verpackung, der Rolle des Unternehmens und dem jeweiligen Zeitpunkt ab.
Relevant sind zum Beispiel Materialinformationen, technische Spezifikationen, Lieferantenerklärungen, Prüfberichte und Angaben zu beschränkten Stoffen. Später kommen je nach Verpackungsart auch Nachweise zur Recyclingfähigkeit, zu Rezyklatanteilen, zur Wiederverwendbarkeit oder zur Verpackungsminimierung dazu.
Für mich ist dabei wichtig: Eine Lieferantenerklärung ist eine wichtige Grundlage, aber sie nimmt dem verantwortlichen Unternehmen nicht automatisch die eigene Verantwortung ab.
Wie hoch ist das Risiko bei Nicht-Compliance, zum Beispiel beim Marktzugang?
Ich glaube, viele Unternehmen unterschätzen dieses Risiko noch. Es geht nämlich nicht nur um mögliche Bußgelder.
Wenn eine Verpackung die geltenden Anforderungen nicht erfüllt, darf sie im Zweifel nicht in Verkehr gebracht werden. Bei einer bereits verpackten Ware kann das auch bedeuten, dass das eigentliche Produkt nicht verkauft werden kann.
Dazu kommen Nacharbeiten, Verzögerungen, Rückfragen von Kunden oder Behörden und im schlimmsten Fall Rücknahmen oder Rückrufe.
Welche Veränderungen sind in Lieferketten zu erwarten?
Ich glaube, dass vor allem in den Lieferketten deutlich mehr Transparenz nötig sein wird. Unternehmen werden genauer nachfragen müssen, welche Materialien eingesetzt werden, welche Stoffe enthalten sein können und welche Nachweise dazu vorliegen.
Für Lieferanten bedeutet das, dass sie künftig nicht nur eine Verpackung oder ein Material liefern. Sie müssen auch die passenden Informationen dazu bereitstellen können.
Ich gehe deshalb davon aus, dass Spezifikationen, Lieferantenvereinbarungen und vertragliche Anforderungen genauer werden. Vertrauen bleibt wichtig, muss aber stärker durch belastbare Daten und Dokumente ergänzt werden.
Müssen Unternehmen ihre Verpackungsstrategie komplett neu denken?
Nicht unbedingt komplett neu, aber auf jeden Fall deutlich bewusster.
Verpackungen werden künftig nicht mehr nur nach Kosten, Optik und Funktion bewertet. Auch Materialeinsatz, Recyclingfähigkeit, Wiederverwendbarkeit und regulatorische Anforderungen spielen eine immer größere Rolle.
Viele Unternehmen werden deshalb ihre bestehenden Verpackungen überprüfen müssen. Was kann bleiben? Was muss angepasst werden? Und wo braucht es vielleicht eine ganz neue Lösung?
Für mich ist klar: Das ist keine Aufgabe, die eine einzelne Abteilung nebenbei erledigen kann. Einkauf, Entwicklung, Qualität, Nachhaltigkeit, Verpackungsmanagement und Vertrieb müssen hier zusammenarbeiten.
Welche Rolle spielt Digitalisierung, zum Beispiel bei Daten zu Material und Recyclingfähigkeit?
Für mich ist Digitalisierung ein wichtiger Hebel, weil die PPWR stark von Daten und Nachweisen lebt.
Unternehmen müssen nachvollziehen können, wie eine Verpackung aufgebaut ist, welche Materialien enthalten sind, welche Dokumente vorliegen und von wem die Informationen stammen.
Die PPWR schreibt dafür nicht pauschal ein bestimmtes IT-System vor. Bei vielen Verpackungen, Standorten und Lieferanten wird es mit einzelnen Excel-Listen aber schnell unübersichtlich. Strukturierte digitale Lösungen können deshalb helfen, die Daten aktuell, vollständig und nachvollziehbar zu halten.
Wo sehen Sie aktuell die größten Unsicherheiten in der Umsetzung?
Die Richtung der PPWR ist inzwischen ziemlich klar. Unsicher ist bei vielen Unternehmen eher noch die praktische Umsetzung.
Einige wichtige Details werden erst durch weitere Rechtsakte, Bewertungsmethoden und technische Standards konkretisiert. Das betrifft zum Beispiel die Recyclingfähigkeit, die Kennzeichnung und bestimmte Berechnungsverfahren.
Für mich liegt die größte Unsicherheit deshalb nicht mehr im Ob, sondern im Wie. Viele Unternehmen wissen, dass sie handeln müssen. Die Frage ist eher, wie sie die Anforderungen sinnvoll in ihre bestehenden Prozesse integrieren.
Hintergrundinfos:
- Die PPWR ersetzt die bisherige Richtlinie und schafft ein einheitliches Regelwerk für alle Verpackungen in der EU
- Ab dem 12. August 2026 gilt die Verordnung verbindlich; nicht-konforme Verpackungen dürfen nicht mehr in Verkehr gebracht werden
- Die Verordnung betrifft alle Akteure entlang der Verpackungswertschöpfungskette
- Zentrale Anforderungen umfassen Recyclingfähigkeit, Rezyklatanteile, Wiederverwendung und Verpackungsminimierung
- Ab August 2026 ist u. a. die Dokumentation der Konformität verpflichtend
- Die Verordnung enthält u. a. Grenzwerte und Beschränkungen für problematische Stoffe wie PFAS
- Ziel ist u. a. die Reduktion von Verpackungsabfällen und die Förderung von Recycling und Wiederverwendung
- Viele Detailregelungen werden erst schrittweise konkretisiert, was die Umsetzung erschwert
Unternehmensinformation:
imds professional unterstützt Unternehmen, die Anforderungen zur Material- und Produktkonformität nachhaltig und sicher zu erfüllen und alle Vorgaben einzuhalten. Unser Kerngeschäft umfasst Consulting, Service und Training zu umweltrelevanten Gesetzen, Verordnungen, Richtlinien und kundenspezifischen Anforderungen. Als führendes Dienstleistungsunternehmen im Bereich Product Environmental Compliance ist es unsere Überzeugung und unser Auftrag, Umwelt-Compliance-Programme gewinnbringend zu optimieren. Mit neutraler und fokussierter Beratung sowie maßgeschneiderten Services und Schulungen helfen wir Unternehmen, angesichts zunehmender regulatorischer Auflagen wettbewerbsfähig zu bleiben. Seit 1999 vertrauen kleine und mittelständische Betriebe wie auch Konzerne aus der herstellenden und verarbeitenden Industrie weltweit auf unsere Kompetenz. Weitere Informationen gibt es unter www.imds-professional.com
Text und Bild: imds professional (v.i.S.d.P.)
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