Adient, einer der weltweit führenden Hersteller von Automobilsitzen mit rund 65.000 Mitarbeitenden an circa 200 Produktionsstandorten in 29 Ländern, hat die Intralogistik in seinem Werk in Torslanda, Schweden, erfolgreich automatisiert. Mit der Automatisierung hat Adient einen zentralen Engpass in der Sitzfertigung nachhaltig beseitigt.

Gemeinsam mit SAFELOG wurde ein mobiles Robotersystem realisiert, das den Materialtransport zwischen Lager und Linie vollständig automatisiert und heute für einen stabilen, durchgängigen Materialfluss sorgt.

Manuelle Logistik als limitierender Faktor

Vor Projektstart wurden die Materialwagen und Trolleys mit Gabelstaplern und Flurförderfahrzeugen bewegt. Dieses Vorgehen war nicht nur personal- und kostenintensiv, sondern auch stark schwankungsanfällig. Bei Lastspitzen kam es regelmäßig zu Wartezeiten, Unterbrechungen und fehlender Synchronisation zwischen Lager und Linie. Ein kontinuierlicher Materialfluss ließ sich unter diesen Bedingungen nicht zuverlässig sicherstellen, was sich als zunehmend kritischer Faktor angesichts steigender Variantenvielfalt und Taktanforderungen erwies.

Mobile Roboterflotte als Rückgrat der Linienversorgung

Die heute eingesetzte Lösung basiert auf mobilen Robotern, die den Transport der Trolleys vollständig übernehmen. Transportaufträge werden über eine Benutzeroberfläche ausgelöst, die Fahrzeuge holen leere Wagen an der Linie ab, überführen sie in definierte Übergabepositionen im Lager und bringen volle Trolleys zurück in die Fertigungsbereiche. Das System ist auf eine Taktzeit ausgelegt, die alle 50 Sekunden einen Transport ermöglicht und damit eine gleichmäßige, bedarfsgerechte Versorgung der Produktionslinien sicherstellt. Ist kein Auftrag verfügbar, nutzen die Roboter automatisch Ladestationen und sichern ihre Verfügbarkeit über „Opportunity Charging“.

Eine Besonderheit ist die Kommunikation der mobilen Roboter mit Cobots, die in der Sitzlehenenmontage eingesetzt werden. Meldet ein Cobot seinen Materialbedarf an die Transportroboterflotte, bringt ein mobiler Roboter einen vollen Materialwagen aus dem Lager zur Produktionslinie. Dort positioniert er den Wagen am Arbeitsplatz des Cobots und die Sitzlehnen werden mittels Karakuri-Technologie durch die Schwerkraft an ein Materialdepot übergeben, aus dem sich der Cobot bedient. Der leere Wagen wird unmittelbar zurück ins Lager gebracht.

Layoutoptimierung statt reiner Automatisierung

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor des Projekts lag nicht allein in der Automatisierung, sondern in der konsequenten Neugestaltung von Layout und Verkehrsführung. Übergabe- und Abstellpositionen wurden verlegt, Fahrtrichtungen angepasst und Stationen gedreht, um Rangierzeiten zu reduzieren. Zusätzliche Bypass-Strecken entschärfen Kreuzungspunkte und verhindern Deadlocks. Potenziell kritische Verkehrsbereiche wurden frühzeitig analysiert und flossen direkt in die Systemauslegung ein, die durch statische Berechnungen und Simulationen abgesichert wurde.

Robuste Technik für den Produktionsalltag

Zum Einsatz kommen mobile Roboter, die Trolleys mit Sitzkomponenten bis zu einem Gesamtgewicht von 500 Kilogramm transportieren. Automatische Verriegelungen, definierte Positionierhilfen sowie personen­sichere Sensorsysteme gewährleisten einen sicheren Betrieb auch in engen Produktionsbereichen. Bodenmarkierungen und Warnhinweise ergänzen das Sicherheitskonzept im Werk des Sitzeherstellers. Mit der Automatisierung machte Adient einen entscheidenden Schritt hin zu einem stabilen und transparenten Materialfluss. Die frühere manuelle Versorgung war funktional, aber nicht mehr zukunftsfähig. Heute verfügt das Werk in Torslanda über ein System, das reproduzierbar arbeitet, sich flexibel an veränderte Produktionsanforderungen anpassen lässt und jederzeit skalierbar ist. Durch den Einsatz der mobilen Roboter wurden die Prozesse so umfassend optimiert, dass sich der Betrieb problemlos und flexibel an variierende Produktionsumfänge anpassen kann.

Skalierbar ausgelegt in zwei Ausbaustufen

Insgesamt sind in dem schwedischen Werk in Torslanda 32 mobile Roboter im Einsatz. In der ersten Ausbaustufe wurden 24 Fahrzeuge implementiert, in einer zweiten Ausbaustufe kamen weitere acht Roboter hinzu. Das System ist für bis zu drei Schichten pro Tag mit jeweils 7,5 Stunden ausgelegt und berücksichtigt definierte Übergabezeiten sowie Ladefenster. Die modulare Konzeption lässt die Einbindung zusätzlicher Transportaufgaben oder Volumensteigerungen ohne strukturelle Eingriffe zu. Das Projekt in Torslanda zeigt, wie sich mobile Robotik als strategisches Element moderner Automotive-Intralogistik etablieren lässt.

Bilder: SAFELOG

Bild 1: Mobile Roboter transportieren Trolleys im Schwedischen Werk von Adient in Torslanda.

Bild 2: Opportunity charging