OEM&Lieferant Ausgabe 2/2026

38 Länder verfügen über gute technische Universitäten und hervorragend ausgebildete Fachkräfte. Hinzu kommt – in vielen Ländern – die Planungssicherheit innerhalb der Europäischen Union. Kosten bleiben ein wichtiger Faktor. Ausschlaggebend ist heute jedoch vor allem die Verfügbarkeit qualifizierter Fach- und Führungskräfte. Hinzu kommen die spezifischen Stärken des jeweiligen Standorts, die sich teilweise deutlich unterscheiden: Ungarn hat sich insbesondere im Automotive- und Batterietechnologiesektor etabliert, Serbien gewinnt für Produktions- und Entwicklungsaktivitäten an Bedeutung, Rumänien überzeugt mit hoher IT- und Entwicklungskompetenz und Tschechien zählt seit Jahren zu den führenden Automotive-Standorten Europas. Erfolgreiche Standortstrategien orientieren sich deshalb immer an den jeweiligen Stärken eines Landes. Viele Unternehmen sprechen von Nearshoring. Handelt es sich dabei lediglich um eine Verlagerung von Produktionskapazitäten, oder beobachten Sie bereits eine strategische Verlagerung kompletter Wertschöpfungsketten? Marion Plocher: Wir beobachten deutlich mehr als eine reine Produktionsverlagerung. Viele Unternehmen verlagern inzwischen komplette Wertschöpfungsketten. Neben der Fertigung entstehen in Mittel- und Osteuropa zunehmend Kompetenzen in den Bereichen Entwicklung, Einkauf, Qualitätsmanagement, Supply Chain Management und Shared Services – etwa in der Buchhaltung und auch im Recruiting. Damit gewinnen regionale Lieferketten innerhalb Europas weiter an Bedeutung. Unternehmen verfolgen das Ziel, ihre Wertschöpfung resilienter aufzustellen, Abhängigkeiten zu reduzieren und näher an ihren europäischen Absatzmärkten zu produzieren. Diese Entwicklung wird sich aus meiner Sicht in den kommenden Jahren weiter beschleunigen. Welche Rolle spielt CEE künftig innerhalb der europäischen Automobilindustrie? Wird die Region aus Ihrer Sicht zu einem gleichwertigen Innovations- und Entwicklungsstandort? Marion Plocher: Die Bedeutung Mittel- und Osteuropas wird innerhalb der europäischen Automobilindustrie Interview I Job und Karriere Der Wettbewerb um Talente verlagert sich nach Mittel- und Osteuropa Transformation, steigender Kostendruck, geopolitische Verschiebungen und die damit verbundene Neuordnung ganzer Lieferketten verändern die Standortstrategien der europäischen Automobil- und Zulieferindustrie. Bereits seit Jahren investieren zahlreiche Unternehmen verstärkt in Produktions- und Entwicklungsstandorte in Mittel- und Osteuropa. Mit dem Ausbau der industriellen Wertschöpfung wächst zugleich der Wettbewerb um qualifizierte Fach- und Führungskräfte. Entwickelt sich Central and Eastern Europe (CEE) zum nächsten strategischen Talentmarkt der europäischen Automobilindustrie? Darüber sprach OEM & Lieferant mit Marion Plocher, Founder der Plocher Executive Find GmbH. Sie begleiten seit vielen Jahren Unternehmen in der Automobil- und Zulieferindustrie bei der Besetzung von Führungspositionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Warum richtet sich Ihr Blick nun verstärkt auf Mittel- und Osteuropa? Marion Plocher: Die europäische Automobilindustrie befindet sich im größten Strukturwandel seit Jahrzehnten. Viele Unternehmen richten ihre europäischen Fertigungs-, und Entwicklungsnetzwerke neu aus und investieren verstärkt in der CEE-Region. Zahlreiche Unternehmen, die wir seit vielen Jahren in Deutschland, Österreich und der Schweiz betreuen, treiben den Ausbau ihrer Aktivitäten in Mittel- und Osteuropa konsequent voran. Wir beobachten, dass sie nicht nur Produktionskapazitäten verlagern. So bauen einige unserer Kunden beispielsweise zentrale IT-, Recruiting- oder Shared-Service-Funktionen gezielt in Polen, Tschechien, Serbien oder Bulgarien auf. Das zeigt sehr deutlich, dass sich CEE zu einem strategischen Unternehmensstandort entwickelt. Entsprechend wächst auch der Bedarf an erfahrenen Führungspersönlichkeiten vor Ort. Welche Entwicklungen machen Mittel- und Osteuropa für internationale Unternehmen zunehmend attraktiver? Und worauf sollten Unternehmen bei der Wahl des Standorts besonders achten? Marion Plocher: Die Region profitiert von einer Vielzahl attraktiver Standortfaktoren. Neben wettbewerbsfähigen Lohn- und Energiekosten profitieren Unternehmen vielerorts von investitionsfreundlichen Rahmenbedingungen, deutlich weniger Bürokratie, staatlichen Förderprogrammen und einer kontinuierlich verbesserten Infrastruktur. Die Bild: © Plocher Executive Find GmbH KI-modifiziert

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