OEM&Lieferant Ausgabe 2/2026

22 Consulting und Virtualisierung Reale Sensordaten reproduzierbar im Labor einsetzen Mit SensFlow lassen sich reale ADAS- und AD-Szenarien für reproduzierbare HIL-Tests nutzen Von Henning Kemper, Senior Specialist Editor, IPG Automotive Seltene Verkehrssituationen, wechselnde Softwarestände und hohe Sensordatenraten erschweren die Absicherung moderner ADAS- und AD-Funktionen erheblich. Ein einmal aufgezeichneter Grenzfall ist nur dann wertvoll, wenn er im Labor unter reproduzierbaren Randbedingungen wiederholt, analysiert und bewertet werden kann. Genau hier setzt SensFlow von IPG Automotive an. Die modulare Software-Suite spielt aufgezeichnete Sensor- und Fahrzeugbusdaten deterministisch in Steuergeräte ein und schafft so eine realitätsnahe Testbasis für Hardware-in-the-Loop-Umgebungen, ohne den jeweiligen Testfall erneut auf der Straße durchführen zu müssen. Realdaten gezielt wieder- verwenden Mit der zunehmenden Leistungsfähigkeit automatisierter Fahrfunktionen steigt auch der Aufwand für deren Validierung. Sensoraufbauten werden heterogener, Schnittstellen komplexer und die zu verarbeitenden Datenmengen größer. Gleichzeitig treten sicherheitsrelevante Situationen im realen Verkehr nur selten auf oder lassen sich nicht beliebig wiederholen. Für OEMs, Zulieferer und Entwicklungsteams ergibt sich daraus ein klarer Bedarf: Reale Messdaten müssen kontrolliert in die Steuergeräteumgebung zurückgeführt werden können. SensFlow unterstützt diesen Prozess, indem aufgezeichnete Sensordaten und Fahrzeugbusinformationen zeitlich konsistent wiedergegeben werden. Dadurch lassen sich Perzeption, Lokalisierung und Gesamtfunktion unter kontrollierten Laborbedingungen untersuchen. Deterministisches Replay mit präzisem Timing Dabei ist nicht nur entscheidend, dass die Daten erneut abgespielt werden, sondern auch, zu welchem Zeitpunkt sie am Steuergerät ankommen. SensFlow ist für das deterministische Replay aufgezeichneter Sensordatenströme ausgelegt, darunter Radar, Ultraschall, Kamera und Lidar. Ergänzend lassen sich CAN- und Automotive-EthernetKommunikation synchron wiedergeben. Die präzise Zeitstempel-Synchronisierung Deterministisches Replay aufgezeichneter Sensor- und Fahrzeugbusdaten für reproduzierbare ADAS- und AD-Validierung stellt sicher, dass sämtliche Eingangsdaten in der korrekten Reihenfolge und zum richtigen Zeitpunkt bereitstehen. Dadurch eignet sich SensFlow besonders für Open-Loop-Tests. Die zu prüfende Funktion erhält aufgezeichnete oder gezielt bereitgestellte Eingangsdaten, ohne dass eine geschlossene Rückkopplung mit einer Simulation erforderlich ist. Perzeptionsalgorithmen, Sensorfusion und Entscheidungslogiken können so reproduzierbar bewertet werden. Gerade in frühen Entwicklungsphasen ermöglicht dieser Ansatz schnelle Softwarevergleiche, Benchmarking und die gezielte Analyse einzelner Funktionen, bevor eine vollständige Systemintegration notwendig wird. Entscheidend ist dabei das synchronisierte Zusammenspiel sämtlicher Datenquellen. Werden Sensorrohdaten, Fahrzeugbusinformationen und Bilddaten zeitlich konsistent reproduziert, entsteht am Eingang des Steuergeräts eine präzise Abbildung der aufgezeichneten Fahrsituation. Dies bildet die Grundlage für belastbare Laborergebnisse und eine fundierte Bewertung von Softwareänderungen. Flexibel für unterschiedliche Steuergeräteumgebungen Die modulare Architektur von SensFlow lässt sich an unterschiedliche Steuergerätearchitekturen, Sensorlayouts und Datenformate anpassen. Damit unterstützt die Software sowohl einzelne ADAS-Funktionen als auch komplexe AD-Systeme mit mehreren Sensorquellen und hohen Datenraten. Standardisierte Datenformate und definierte Replay-Prozesse ermöglichen Bild: © Andrey_Lobachev/Adobe Stock; Bearbeitung: IPG Automotive

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