OEM&Lieferant Ausgabe 2/2026

11 Bild: IPL, KI-generiert Bild: IPL, KI-generiert gebunden sind, sondern sich per Schwarmintelligenz durch Produktionshallen bewegen, markieren erst den Anfang. Das Ziel ist eine Echtzeit-Synchronisation hochkomplexer Materialflüsse. So kann sich die Fabrik der Zukunft flexibel und schnell an veränderte Bedingungen anpassen. Das technisch Machbare ist damit längst nicht ausgeschöpft. Klassische IT stößt bei der Optimierung von Routen und Netzwerken an Grenzen, sobald Tausende dynamische Variablen gleichzeitig berücksichtigt werden müssen. Hier zeichnet sich mit Quantum Computing bereits die nächste Entwicklung ab. Die Möglichkeit, unzählige logistische Szenarien parallel zu bewerten, könnte Optimierungspotenziale erschließen, die heute kaum absehbar sind. Der Mensch steuert die Komplexität Trotz aller technologischen Fortschritte bleibt der Mensch entscheidend. Seine Bedeutung nimmt in einem hochautomatisierten Umfeld nicht ab; vielmehr verändert sich seine Aufgabe grundlegend. Der Supply-Chain-Manager der Zukunft gleicht nicht mehr unter Zeitdruck Excel-Listen ab und organisiert Telefonketten, um einen drohenden Bandstillstand zu verhindern. Er steuert das Gesamtsystem strategisch. KI-basierte Dashboards liefern ihm dafür fundierte, vorausschauende Entscheidungsgrundlagen. Diese neue Rolle verlangt zugleich andere Qualifikationen. Teams müssen lernen, die leistungsfähigen Instrumente sicher und wirksam einzusetzen. Nachhaltigkeit wird zur messbaren Größe Neben der Digitalisierung prägt Nachhaltigkeit den Wandel ebenso stark. Auch hier reicht ein unverbindliches Bekenntnis nicht mehr aus: Grüne Logistik ist heute Teil der Compliance und ein wichtiger Wettbewerbsfaktor. Zur Dekarbonisierung der Automobilindustrie gehören deshalb zwingend die Scope-3-Emissionen, also jene Emissionen, die in der gesamten vor- und nachgelagerten Lieferkette entstehen. Eine genaue CO₂‑Berechnung für Transport und Logistik, beispielsweise nach DIN EN ISO 14083, wird damit zur Pflicht. Aufträge werden künftig nicht allein nach Preis und Lieferzeit vergeben, sondern auch nach dem ökologischen Fußabdruck eines Bauteils bis zur Anlieferung am Band. Dafür benötigen OEMs, Zulieferer und Logistikdienstleister leistungsfähige digitale Schnittstellen. Vom Konzept auf den Shopfloor Datenräume, neue IT-Möglichkeiten, autonome Prozesse und messbare Nachhaltigkeit bilden zusammen eine anspruchsvolle strategische Aufgabe. Neben technologischer Exzellenz braucht es dafür eine Zusammenarbeit über Branchengrenzen hinweg. Notwendig sind Plattformen, auf denen diese Entwicklungen nicht nur auf PowerPoint-Folien beschrieben, sondern praktisch erprobt und in den industriellen Alltag überführt werden. An der Verbindung von strategischer Vision und operativer Umsetzung gewinnt der Kongress „Automotive Prozesse & IT“ (www.automobilkongress.de ) besondere Relevanz. Die zentrale Netzwerkveranstaltung bringt die Akteure zusammen, die den Wandel vorantreiben: OEMs, Tier-Zulieferer, Dienstleister sowie Fachleute aus IT und Quantum Computing. Seinen besonderen Praxisbezug zeigt das Format am 14. und 15. Oktober 2026 in Saarbrücken. In Live-Workshops bearbeiten die Teilnehmenden unter anderem die Fragen, wie Legacy-Systeme mit KI verbunden und CO₂-Berechnungen in der Transportlogistik rechtssicher umgesetzt werden können. Best-Practice-Besuche in den Fabriken renommierter Unternehmen, etwa bei der Hager Group oder Nobilia, machen Digitalisierung unmittelbar erfahrbar. Auf dem realen Shopfloor wird sichtbar, wie Algorithmen, Menschen und Maschinen erfolgreich zusammenarbeiten. Fazit: Jetzt entscheidet die Umsetzung Die stärkste Industrie Europas steht vor der Aufgabe, ihre Grundlagen neu zu gestalten. Die nötigen Werkzeuge sind vorhanden: gemeinsam nutzbare Daten, Algorithmen, Quantentechnologie und neue, vertrauensvolle Partnerschaftsmodelle. Jetzt kommt es auf entschlossenes Handeln und kontinuierliches Lernen voneinander an. Plattformen wie der Automobilkongress verbinden dafür Wissen und praktische Erfahrung. Dort wird die Zukunft der automobilen Wertschöpfung konkret gestaltet. Wer die Zusammenhänge verstanden hat, blickt nicht mit Sorge auf die kommenden Aufgaben, sondern mit Zuversicht und Tatkraft. Die Branche beobachtet den Wandel nicht nur, sie kann die neue automobile Realität selbst entwerfen. Kontakt klaus-juergen.schmidt@iplnet.de  www.iplnet.eu  www.akjnet.de 

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