OEM&Lieferant Ausgabe 2/2018 / OEM&Supplier Edition 2/2018
Grube: Das schaffen sie nur, wenn sie zu den Betroffenen als Leader gehen. Ich habe mir bei- spielsweise vorgenommen, 50 Prozent meiner Zeit zu den Mitarbeitern zu gehen. Ich gehe an die Basis und rede mit den Leuten. Das ist das einzige, was wirklich funktioniert. Die Leute sind total erstaunt, dass man überhaupt zu ihnen kommt und ihnen zuhört. Die Menschen, mit denen man es zu tun hat, sind doch schlau, die wissen doch ganz genau, ob du das, was du sagst, auch selbst lebst. Deshalb sage ich immer, nicht Wasser predigen und selbst Wein trinken. Strack: Warum glauben Sie gibt es aktuell in den großen Konzernen und den Vorstands- etagen so viele negative Themen und ver- tuschte Probleme? Grube: Sie leben immer mit der Herausforde- rung, auf der einen Seite die Kosten weiter zu senken, um wettbewerbsfähig zu sein. Auf der anderen Seite ist das Thema Qualität, die Sie nicht aus den Augen verlieren dürfen. Bei die- sem ständigen Spagat zwischen Wett- bewerbsfähigkeit, Kosten im Griff zu haben, neue Technologien zu entwickeln, Regularien einzuhalten, etc. ist die Herausforderung so groß, dass die Versuchung da ist, sich nicht immer gesetzeskonform zu verhalten. Dort zeigt sich dann, wie wichtig Compliance ist und dass man sich immer wieder bewusst macht, dass heute eine werteorientierte Unterneh- mensführung das A und O ist. Strack: Wie gehen wir mit dem Thema werteorientierte Führung heute um, ange- sichts der digitalen Transformation – ver- ändert sich dadurch als Megatrend auch der Anspruch und die Art und Weise wie geführt wird? Grube: Ich bin überzeugt davon, mehr denn je, dass Unternehmen, die keinen Wert auf Werte legen, es deutlich schwieriger im Wettbewerb haben, gute Mitarbeiter nachhaltig an sich zu binden. Man muss nicht die gleichen Werte haben, aber es muss Grundwerte im Unterneh- men geben. Wenn ich gewinnen will, muss ich auch auf Sieg spielen. Erfolgreiche Führung ba- siert auf Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit, Res- pekt vor allem gegenüber Menschen, Wert- schätzung, Leidenschaft und Disziplin. Ein ganz wichtiger Punkt, der für mich ganz entschei- dend ist, ist Loyalität. Aber Loyalität gibt es für mich nur 100 Prozent oder gar nicht. Knothe: Wo sehen sie die Unterschiede zwi- schen den zwei Welten eines angestellten Managers und jetzt Ihrer Selbständigkeit? Grube: Man arbeitet mit dem eigenen Geld, das ist schon etwas ganz anderes. Man überlegt drei Mal, ob man es ausgibt oder nicht. Und wenn man es ausgegeben hat, achtet man nochmals verstärkter darauf, dass das, was man investiert hat, auch wieder zurück erwirt- schaftet wird. Ich bin glücklicherweise gesund und kann unternehmerisch etwas gestalten. Wer hat dieses Glück, dass er sein ganzes Leben arbeiten darf, verantwortungsvolle Auf- gaben in Top-Führungsfunktionen wahrneh- men durfte und sogar das Leben noch selbst mitgestalten kann. Also etwas Schöneres gibt es für mich nicht! Und was mir ganz wichtig ist, etwas von dem an die Gesellschaft und den Menschen zu- rückgeben zu dürfen, was man selbst in An- spruch genommen hat. Deshalb engagiere ich mich als Schirmherr und Vorsitzender des Ku- ratoriums bei den jugendlichen Obdachlosen in Deutschland, der Off-Road-Kids-Stiftung. Mit dieser Stiftung haben wir in den vergan- genen zehn Jahren über 6.000 Jugendliche ausgebildet und wieder in die Gesellschaft in- tegriert. Das macht mich sehr zufrieden und glücklich! Herzlichen Dank an Herrn Prof. Dr. Grube für das Interview. Björn Knothe und Prof. Dr. Rüdiger Grube Bild: © division one International exhibition and conference on the next generation of manufacturing technologies Frankfurt am Main, 13.–16.11.2018 formnext.de @formnext_expo #formnext Finden Sie die Zukunft Ihrer Fertigung auf der formnext! Ihr Kopf steckt voller genialer Einfälle und Sie suchen innovative Partner, die Ihre Ideen mit Additive Manufacturing und neuesten Ferti- gungstechnologien zum Produkt machen? Wir bieten dafür die ideale Plattform. Where ideas take shape.
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