OEM&Lieferant Ausgabe 2/2018 / OEM&Supplier Edition 2/2018
76 Knothe: Das Thema „New Work“ ist gerade in aller Munde. Als Executive Beratung spü- ren wir, dass der Einzug auch im Top-Ma- nagement stattgefunden hat. Wie stehen Sie zu den Themen Home-Office, Sabbati- cal, Elternzeit, etc., auch im Top-Manage- ment Bereich? Grube: Der Erfolg hängt von den Mitarbeitern ab, die wir in einem Unternehmen beschäfti- gen. Um bei der aktuellen Beschäftigungssitua- tion die Mitarbeiter ans Unternehmen zu bin- den, müssen die Unternehmen ein attraktiver Arbeitgeber sein. Und die Attraktivität steigt u.a. mit dem Grad der Individualisierung der verschiedenen Arbeitsformen. Jeder Mitarbei- ter hat eine unterschiedliche Lebenssituation – hat Kinder, eine angespannte finanzielle Situa- tion oder ist alleinstehend, da gibt es noch zahlreiche weitere Themen. Je stärker man in- dividuell auf diese Dinge Rücksicht nimmt, umso größer ist die Beliebtheit eines Arbeit- gebers bzw. eines Unternehmens. Wer heute als attraktiver Arbeitgeber gelten will, darf sich diesen neuen Arbeitsformen also nicht ver- schließen. Knothe: Sterben in den Zeiten von „New Work“ und dem Trend zum selbstbestimm- ten Arbeiten die Führungskräfte einfach aus und werden durch Selbstführung er- setzt? Oder hat dieser Trend gar einen Kul- turverlust im Unternehmen zur Folge? Grube: Viele glauben, dass mit dem "New Work" Führung verloren geht. Ganz im Gegen- teil: Je stärker Sie unterschiedliche Arbeitsfor- men zulassen, desto stärker ist auch Führung gefragt, denn Sie müssen als Leader das Team insgesamt zusammenhalten. Das wird nicht einfacher, wenn der eine im Home-Office ar- beitet, der nächste im Sabbatical ist und ein dritter in Elternteilzeit. Sie wollen ja trotzdem alle in die Kommunikation mit einbeziehen. Eine heterogene Struktur bei den Arbeitsfor- men ist für den Leader eine eher größere He- rausforderung. Strack: Was bedeutet das denn für uns heute, was muss ein erfolgreicher Leader mitbringen? Grube: Hier kann ich natürlich nur aus meiner eigenen Erfahrung berichten. Es kommt eine ganze Reihe von Faktoren zum Tragen. Führen heißt, Entscheidungen zu treffen, dafür zu sor- gen, dass sie umgesetzt werden und das Mit- arbeiterteam hoch motiviert an der Umset- zung arbeitet. Als Leader müssen sie verstehen, dass Veränderung keine Bedro- hung, sondern dass Veränderung der Motor für Fortschritt ist. Zweitens, es gibt ja leider viele Führungskräfte und Leader die glauben, so wie sie es immer gemacht haben, muss es auch die nächsten 100 Jahre laufen. Das ist in dieser disruptiven Welt in der wir heute leben natürlich völlig falsch. Es ist wichtig, dass Sie Themen, aber auch sich selbst, selbstkritisch hinterfragen. Der dritte Punkt ist sicherlich, dass Sie heute Innovationsführer sein müssen um erfolgreich zu sein und deshalb müssen Sie als Leader Innovationen anregen. Sie müssen sie treiben und aus dem Team herauskitzeln. Und viertens die Verantwortung übernehmen. Sie müssen ein Visionär sein. Siegen beginnt im Kopf, sage ich immer. Man muss dann, wenn man eine Vision hat, auch daran glauben und sie dann auch selbst vorleben. Vorbild sein ist ein ganz wichtiger Punkt im Rahmen von Leadership. Dann kommt natürlich noch dazu, dass man mit Leidenschaft an die Themen heran geht. Man sagt ja nicht umsonst, dass wenn man alle zum Brennen bringen möchte, man selbst brennen muss. Knothe: Was wir in der Beratung ganz oft feststellen ist, dass im Top-Management die Leader und die Visionäre sind. Aber was diese oft nicht schaffen ist, das Mittlere Management mitzunehmen, die dann wie- derum es nicht schaffen, die einzelnen Mit- arbeiter zu motivieren. Treiber statt Getriebener: Als Leadership-Vorbild braucht es Mission, Mut und Moral Prof. Dr. Rüdiger Grube im Interview Anlässlich der Veranstaltung DDIM.spezial auf Schloss Solitude in Stuttgart spricht Rüdiger Grube mit Dr. Marei Strack (Vorstandsvorsitzende, DDIM e.V.) und Björn Knothe (CEO, Personalberatung division one GmbH) über Leadership in Zeiten der digitalen Transformation, werteorientierte Führung und Leadership-Vorbilder. Bild: © Max Kovalenko Prof. Dr. Rüdiger Grube Personaldienstleistungen
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