26 Material- und CO₂-Daten, Nachweise und Lebenszyklusinformationen. Beim Batteriepass reichen sie vom Zelllieferanten bis zum Recycling. Er stellt Fragen, die über technische Merkmale hinausgehen: Welche Daten gehören zum Produkt- bzw. Batteriemodell und welche zur Instanz, also der spezifischen Batterie? Was ändert sich entlang des Lebenszyklus? Wer hat Zugriff? Was bewirken ESPR, weitere Normen und der Circularity Vehicle Passport (CVP)? Benjamin Fetzer: Die ESPR schafft den Rahmen für Anforderungen. Stahl, Aluminium und Elektromotoren stehen explizit auf dem Fahrplan. Die kürzlich veröffentlichten Normen bestätigen, dass die EU semantische Verknüpfungen voraussetzt. Der CVP zeigt, dass Daten für Wiederverwendung, Demontage und Recycling bereits in Materialauswahl, Stückliste und Produktion entstehen. Fehlen Erfassung und Verknüpfung, müssen sie später unter Zeit- und Kostendruck rekonstruiert werden. Wie sollten Unternehmen das Thema konkret angehen? Niklas Bürger: Sie sollten mit einem klaren Anwendungsfall starten – etwa mit Material Compliance, Außenhandels- oder Service-Daten ausgewählter Komponenten. Entscheidend ist, Datenstrukturen, Definitionen und Verantwortlichkeiten früh zu klären und Schritt für Schritt aufzubauen. Der DPP betrifft nicht nur IT, sondern auch Geschäftsprozesse, Data Governance und Zusammenarbeitsmodelle. Wer heute den Kontext der Daten sauber definiert, reduziert Kosten und Risiken durch Übergangslösungen. Weitere Informationen: https://t1p.de/0b02f www.unity.de Engineering Partner Vom Produktpass zur kontextfähigen Lebenszyklusdatenbasis Interview mit Niklas Bürger, Technikexperte, und Benjamin Fetzer, Regulatorik- und Prozessexperte bei UNITY Der Digitale Produktpass (DPP) ist bereits Realität: Der Batteriepass ist der erste verbindliche Anwendungsfall, die EU-Verordnung ESPR (Ecodesign for Sustainable Products Regulation) betrifft Komponenten und die geplante End-of-Life-Vehicle-Regulation erhöht den Druck auf Wiederverwendung und Recycling. Die neuen DPP-Normen geben die Richtung vor: Daten müssen eindeutig beschrieben, zugänglich und im Produktkontext interpretierbar sein. Warum sollten sich OEMs und Lieferanten dringend mit dem DPP beschäftigen? Benjamin Fetzer: Wer Produktdaten heute in den richtigen Kontext bringt, schafft die Grundlage für regulatorische Sicherheit und zuverlässige KI-Anwendungen. Der DPP ist ein idealer Anwendungsfall, um das Datenmanagement über bestehende Silos hinweg zu verbessern – es nicht zu tun, bedeutet ein Risiko für die Wettbewerbsfähigkeit. Niklas Bürger: Zudem werden aus regulatorischen Zielen konkrete Marktzugangskriterien. Der Batteriepass zeigt, was Unternehmen beherrschen müssen: Identifikation, Nachweise und Lebenszyklusdaten. Auch Lieferanten müssen Informationen produktbezogen belegen. Die Informationen liegen bereits in PLM, ERP, Qualitäts-, Produktions- und Service-Systemen. Bei der Aggregation der Daten für den DPP wird klar, wo der Kontext fehlt: Welche Werte kommen aus dem Einkauf, welche Werte gehören zum Produktmodell, welche zur Produktinstanz und wie müssen diese Informationen kombiniert werden? Wer das erst zur Abgabepflicht klärt, ist zu spät. Was bedeutet das konkret? Niklas Bürger: Unternehmen müssen wissen, welche Komponente, mit welchen Teilen, bestehend aus welchen Substanzen in welchem Produkt verbaut sind. Ebenso wichtig: Quelle, Aktualität und Variantenbezug. Semantik macht Nachweise, Rückrufe und Reparaturen handhabbar. Für Lieferanten wird Datenqualität ein Teil der Lieferfähigkeit. ComplianceInformationen müssen nachvollziehbar bereitgestellt werden. Aus Projekten mit OEMs und Zulieferern wissen wir: Der Aufwand liegt im zuverlässigen Bereitstellen und Prüfen. Können sich Unternehmen beim Thema DPP am bereits existierenden Batteriepass orientieren? Benjamin Fetzer: Der Batteriepass gibt als Pilot die Richtung vor. Er bündelt Identifikation, technische Merkmale, Experten im Interview: Niklas Bürger (links) und Benjamin Fetzer Bild: © UNITY
RkJQdWJsaXNoZXIy MjUzMzQ=