OEM&Lieferant Ausgabe 1/2018

58 Hersteller sind weiterhin auf der Suche nach den vielversprechendsten Geschäftsmodellen der Automotive-Zukunft. So klangvoll viele Zukunftsstrategien der OEMs wirken, ein gu- ter Teil der Vorgehensweise lässt sich als „Tri- al and Error“ bezeichnen. Völlig klar ist aber, dass der Aufbau neuer Geschäftsmodelle und entsprechend stabiler Lieferketten hohe Inno- vationskraft erfordert und mit signifikanten Kosten verbunden ist. Für beides – Innovatio- nen und Kostensenkung – sind traditionell die direkten Zulieferer die ersten Ansprechpartner. Entsprechend analysiert die aktuelle Deloitte- Studie die Zukunft der Zuliefermärkte in Anbe- tracht der aktuellen Megatrends mit folgenden Kernfragen: P Wie wirken sich Automotive-Megatrends auf die Kostenentwicklungen entlang ver- schiedener Fahrzeug-Komponentenclustern aus? P Wie entwickeln sich Bedarfs- und Umsatz- volumina in den einzelnen Clustern? P Welche Transformationsbedarfe ergeben sich daraus für Automobilzulieferer? P Wie kann ein integriertes Marktmodell die daraus resultierenden Entscheidungsbedar- fe unterstützen? Das Deloitte Automotive Value Chain (AVC) Industry Model hilft bei der Beantwortung dieser Fragestellungen, indem es entlang ei- ner Reihe von Parametern die Quantifizierung von individuellen Entwicklungsszenarien er- möglicht. Es wurden Zukunftsszenarien simu- liert, die verschiedene Entwicklungsrichtungen der unterschiedlichen Trends bündeln und so Marktprognosen für alle Komponentencluster im Fahrzeug erlauben. Folgende Kernergebnisse lassen sich zusam- menfassen: P Wachsender Gesamtmarkt mit regiona- ler Verschiebung: Das Gesamtmarktvolu- men wird in Deutschland, NAFTA und China in Summe leicht steigen (+6 Prozent, ohne Ersatzteile und exklusive Inflation). Dabei ist in Deutschland ein Rückgang absehbar, wo- hingegen in China mit signifikantem Wachs- tum zu rechnen ist. P V olumenverlust in konventionellen Um- fängen: 15 von 19 Komponentenclustern müssen mit sinkenden Marktvolumina von bis zu -36 Prozent rechnen. Zum einen, da manche Teile im Zuge der E-Mobilität obso- let werden (z. B. Verbrenner- oder Getrie- bekomponenten). Zum anderen, da sich im elektrifizierten, autonomen und datenge- triebenen Fahrzeug der Zukunft viele neue Kostenblöcke für den OEM auftun, die we- der dem Kunden komplett verrechnet noch aus der eigenen Marge finanziert werden können (und wollen). Logische Konsequenz: OEMs werden noch weiter an der Kosten- schraube für konventionelle Lieferumfänge drehen, die keinen nennenswerten Soft- ware- oder Datenbezug haben. P Hochattraktive Wachstumsfelder: Dem- gegenüber kann in einigen wenigen Kompo- nentenclustern realistisch mit bis zu 15-fa- chem Marktwachstum bis 2025 gerechnet werden, insb. im Bereich von Elektroantrie- ben, HV-Batterien und Fahrerassistenzsys- temen. Die Marktanteile für diese im Auto hochinnovativen und technologisch alles andere als ausgereiften Umfänge werden unter eingesessenen und neuen Zulieferern besonders stark umkämpft sein. P Hohe Sensitivität entlang von Szenari- en: Obige Aussagen sind eindeutig, solange Durchschnittswerte gemeint sind. Span- nend wird es in der künftigen Automobil- welt bei der Unterscheidung verschiedener Szenarien: Schaffen es die heutigen Her- steller bis 2025, die diskutierten Techno- logien und Services rund um Daten- und Mobilitätsmanagement profitabel an die Kunden zu bringen? Oder kaufen ihnen neue Spieler (z. B. aus dem Silicon Valley) den Schneid ab? Verebbt der aktuelle Hype um Zukunftstechnologien wieder, so dass sich Nutzer auf den Wert des Autos als bloßen Gebrauchsgegenstand zurückbe- sinnen – kostengünstige Massenmobilität ohne technischen Schnickschnack? Oder bleibt es doch beim Alten: Langsame, in- krementelle Innovationsschritte bei Tech- nologie und Märkten, so dass sich die Welt in 2025 nicht radikal vom heutigen Status Quo unterscheidet? Hinter diesen Fragen stehen für Zulieferer existenzbedrohend divergente Markterwartungen. Die Unsicherheit und Dynamik laufender Ent- wicklungen erfordern zwangsläufig eine regel- mäßige Neubewertung der Markt-Forecasts. Automobil-Zulieferer: Die Ruhe vor dem Sturm Von Dr. Nikolaus Helbig, Partner Strategy & Operations, Philipp Obenland, Director Strategy & Operations, und Matthias Nagl, Senior Manager Strategy & Operations, Deloitte Was bedeuten eigentlich die viel diskutierten Automotive-Megatrends – wie E-Mobilität, Connectivity, autonomes Fah- ren und Sharing Economy – für die Zulieferindustrie? Zweierlei, meint eine neue Deloitte-Studie zum Zuliefermarkt 2025: Einerseits die Gefahr, noch mehr als heute in die Kostenpresse der Hersteller zu geraten, andererseits aber auch große Wachstumschancen. Dienstleistungen Grafiken: © Supplier Industry Outlook 2025, Deloitte Ausmaß und Unsicherheit simulierter Materialkostenentwicklungen (2016 – 2025) im Schnitt über 4 Szenarien

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