Armin Gehl, Geschäftsführer der autoregion e.V.

Armin Gehl, Geschäftsführer der autoregion e.V.

Zukunft in der Großregion gestalten

autoregion e.V.

Gegründet im Februar 2015 versteht sich der grenzüberschreitend arbeitende Verein autoregion e.V. als ein eigenständig arbeitendes, komplementär ergänzendes Organ zu den bestehenden Automotivnetzwerken der Großregion Luxemburg, Saarland, Rheinland-Pfalz und der französischen Region Grand Est. autoregion e.V. wird getragen von Unternehmen, Verbänden, Forschungseinrichtungen und politischen Institutionen. OEM&Lieferant sprach mit Armin Gehl, Geschäftsführer der autoregion e.V. zur Frage, inwieweit die Großregion für die technologischen Herausforderungen innerhalb der Automobil- und Zulieferindustrie gerüstet ist.

Die Automobilindustrie durchläuft aktuell einen fundamentalen Veränderungsprozess. Die Digitalisierung wird nicht nur das Autofahren, sondern auch die Industrie einschließlich der Zulieferer tiefgreifend verändern. Wie stellt sich die Großregion dieser Herausforderung?

Armin Gehl: Die uns bekannten Unternehmen haben schon seit geraumer Zeit die Herausforderung angenommen und ergänzen ihr Angebot im Hinblick auf neue Technologien und Anforderungen der OEM und somit des Marktes.

Die Politik hinkt aber noch gewaltig hinterher und geht nur mit Forderungen, die populistisch sind, an den Markt!

Bisher war die Großregion geprägt durch die Ansiedlung von Produktionsunternehmen. Die Digitalisierung verlangt nach anderen Kompetenzen. Sind diese in der Großregion strukturell vorhanden?

Armin Gehl: Leider nein. In der Großregion sind größtenteils nur „verlängerte Werkbänke“ von Tier1 oder Tier2 zu finden! Somit werden die Entscheidungen, wie sich ein Unternehmen für die Zukunft aufstellt, nicht vor Ort, sondern in den Konzernzentralen getroffen.

Aspekte wie E-Mobilität oder Autonomes Fahren verlangen nach engen Kooperationen zwischen Industrie und Forschungseinrichtungen. Welche Rolle spielen dabei die Universitäten und Hochschulen der Großregion?

Armin Gehl: Die Universitäten und Hochschulen der Großregion spielen in diesem Zusammenhang eine untergeordnete Rolle. Leider! Die vorhandenen Kapazitäten auf diesem Gebiet sind vorhanden, finden aber kaum eine Vermarktung! Auch finden keine Querstrukturen zwischen den einzelnen Hochschulen statt, jeder arbeitet für sich, aber nur in der Gemeinsamkeit kann man den großen Forschungseinrichtungen Paroli bieten und wird auch wahrgenommen.

Saarbrücken oder Nancy assoziiert man damit angenehme Lebensart, aber nicht unbedingt High-Tech und digitalen Aufbruch. Werden die im Verborgenen wirkenden Hidden Champions gar nicht wahrgenommen?

Armin Gehl: Wie schon gesagt, es fehlt an direktem Marketing und an einer guten Präsentation der vorhandenen Möglichkeiten auf diesem Gebiet. Es gibt ein paar sehr gute Institute, die es verdient hätten, bekannter zu sein.

In welchen Bereichen gibt es Schwerpunkte zukunftsorientierter Forschung in der Großregion und sind sie im internationalen Maßstab auch wettbewerbsfähig?

Armin Gehl: Ich denke direkt an das DFKI – Institut für künstliche Intelligenz – dieses ist Mitentwickler auf dem Gebiet des „autonomen Fahrens“ oder an das CISPA – Cybersicherheit zwei Institute, die weltweit einen sehr guten Ruf genießen und auch gefragt sind.

Gibt es genügend staatliche Unterstützung seitens der EU bzw. der Regierungen in Luxemburg, Frankreich und Deutschland sowie der Landesregierungen von Rheinland-Pfalz und dem Saarland, die diesen Prozess des industriellen Wandels fördern und mitgestalten?

Armin Gehl: Luxemburg und Frankreich sind sehr aktiv, was die Unterstützung von Unternehmen angeht. In Deutschland vermissen wir diese aktive Phase.

Was die Bundesländer betrifft, so ist Rheinland-Pfalz in guten Dialogen mit den Unternehmen und betreibt auch Unterstützung, das Saarland hingegen ist zwar bekannt für das Land der kurzen Wege, aber „ohne Moos nix los“, ums salopp zu sagen. Im Grunde sind die Unternehmen auf sich selbst angewiesen.

Welche Rolle spielt das Automobil-Cluster in diesem industriellen Veränderungsprozess?

Armin Gehl: Da wir grenzüberschreitend aktiv sind und auch ein aktives Businessmatching zwischen den Unternehmen betreiben, fördern wir den Fortbestand des vorhandenen Knows der Unternehmen. Auch B2B Kontakte werden von uns eingestielt, um auch das Wissen und die Kapazitäten zu bündeln. Auch ist es eine unserer Aufgaben, das Thema Forschung und Entwicklung in die Unternehmen zu tragen und somit das Inseldasein zu beenden.

www.autoregion.eu

Quelle: OEM&Lieferant – Ausgabe II/2018