Unternehmen&Trends - Ausgabe zur HANNOVER MESSE 2019

Die KMF Maschinenbau GmbH in Schwä- bisch-Gmünd ist bereits seit 1973 auf die Herstellung von Nähautomaten spezialisiert. Zählten beim Unternehmensstart in erster Li- nie Bekleidungshersteller zum Kundenkreis, kommt die Nachfrage heute vorwiegend aus dem Automobilsektor – einem Klientel, das höchste Ansprüche an die Qualität stellt. Dietmar Kuhn, Betriebsleiter bei KMF, spe- zifiziert die Anforderungen: „Bei parallel ver- laufenden Ziernähten an Ledersitzbezügen für Premiumfahrzeuge gelten Toleranzen von einer halben Fadenstärke. Bei einem 0,4 mm starken Faden bedeutet das eine Genauigkeit von 0,2 mm. Aus diesem Grund sind diese hochwertigen Kurvennähte im Parallelverlauf in Handarbeit kaum oder gar nicht herstellbar.“ Hinzu kommt, dass gut ausgebildete Nähe- rinnen, die sich dem Stress durch höchste Konzentration bei Akkord- und Schichtarbeit aussetzen, nur schwer zu finden. Um Kundenwünsche aus der Automobilindu- strie nach dieser hochwertigen Optik erfüllen zu können, sind stets neue, innovative Lösun- gen gefragt. Unter dem Diktat von Qualität und Wirtschaftlichkeit sieht man bei KMF ein gigantisches Potential in der Robotik, um zu prozesssicheren Lösungen zu kommen. Das Unternehmen verfügt bereits über Robotiker- fahrung beim automatischen Applizieren von Sprühklebern auf Polster und nutzte dieses Know-how für die Entwicklung der roboter- gestützten Nähtechnik. Schnelle und präzise Sechsachs-Roboter gefragt Bei der Auswahl eines geeigneten Roboters spielten die Kriterien Dynamik, Reichweite und Präzision eine entscheidende Rolle. Da die Toleranz am fertigen Teil 0,2 mm beträgt und das Naturmaterial Leder bestimm- ten Schwankungen unterliegt, sollte es ein Sechsachser mit einer Wiederholgenauigkeit sein, die um etwa eine Zehnerpotenz besser ist. Zudem legte KMF großen Wert auf einen Roboterhersteller mit einem globalen Netz- werk, da die Nähautomaten zu über 75 Pro- zent in den Export gehen. „Nach intensiver Marktanalyse hatten wir die ideale Kombination gefunden, mit YASKAWA als Systempartner und dem Motoman GP7. Nähroboter ermöglicht neue Freiheiten beim Design von Sitzbezügen Die Zukunft des Nähens Von Ralf Högel, freier Journalist Ein renommierter Hersteller von Nähautomaten setzt jetzt erstmals einen Sechsachs-Roboter für anspruchsvolle Nähapplikationen im Bereich Automobil-Interieur ein. Die neue Technologie erlaubt die Realisierung besonders hoch- wertiger Designs mit parallel verlaufenden Kurvennähten. 20  Unternehmen & Trends Bilder: © YASKAWA Dietmar Kuhn, Betriebsleiter bei KMF, sieht für die Nähroboter gewaltiges Potenzial. Der Roboter ist mit einer Wiederholgenauig- keit von 0,03 mm sehr präzise, die Reichweite geht mit knapp einem Meter ebenfalls in Ord- nung und dynamisch kann der Sechsachser mit unseren Nähmaschinen mithalten“, be- tont Kuhn. Dieser Roboter bildet die Basis für das vollautomatisierte Nähsystem RoQom 6000, das darüber hinaus aus den Kompo- nenten Nähmaschine, Bildverarbeitungssys- tem, Sicherheits-SPS sowie entsprechenden Schablonen besteht, in denen die Teile sicher fixiert sind. Anspruchsvolle Aufgabenstellung zur Markteinführung Bereits zum Launch von RoQom 6000 muss die automatische Nähzelle ihre Performance bei einer anspruchsvollen Applikation unter Beweis stellen. Dabei geht es darum, parallel verlaufende Kurvennähte an Ledersitzbezü- gen für Fahrzeuge im Premiumsegment her- zustellen. Der Aufwand mit diesen Ziernäh- ten hat nicht nur optische Gründe, sondern erfüllt auch eine wichtige Komfortfunktion, Die Bedienung der Nähroboter ist sehr anwenderfreundlich.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjUzMzQ=