Unternehmen & Trends - Ausgabe 1/2018

Der Arbeitsmarkt für Fach- und Füh- rungskräfte hat sich in der jüngeren Vergangenheit dramatisch verändert. Nicht mehr Unternehmen suchen sich die Kandidaten aus, sondern die Kan- didaten suchen sich das Unternehmen aus. Gilt dies auch für Führungskräfte des mittleren und oberen Managements, die division one bei der Personalsuche im Fokus hat? Christoph Stichel: Ich würde sogar einen Schritt weitergehen und sagen, dies gilt vor allem für die von Ihnen genannten Po- sitionen. Der Kandidatenmarkt hat sich auf diesem Level in jüngster Vergangenheit nochmals verengt. Gleichzeitig wächst aber die Bereitschaft der Unternehmen, in die passgenaue Besetzung dieser Schlüssel- qualifikationen zu investieren. Für uns als Beratung sind dies im Prinzip gute Voraus- setzungen. Unsere Beratungsleistung wird dadurch noch spezifischer und individueller. Wir besprechen mit Kandidaten und Kun- den eine Vielzahl entscheidungsrelevanter Faktoren und Kompetenzen und bringen diese bei der passgenauen Besetzung zu- sammen. Was bedeutet dies für die Unternehmen – insbesondere in ihrer Außendarstellung? Christoph Stichel: Das Thema Employer Branding ist wieder in aller Munde. Unter- nehmen sind heute viel besser auf Fragen vorbereitet, welche Attribute für sie als Ar- beitgeber sprechen. Was hierbei aus meiner Sicht jedoch vor allem zählt, ist Authentizität. Es bringt nichts, dem Kandidaten eine Welt vorzugaukeln, die sich von der Arbeitsreali- tät in den ersten Wochen und Monaten stark unterscheidet. Stichwort Generation Y – Aspekte der Vereinbarkeit von Karriere und Beruf einerseits und Familie, Freizeit und in- dividueller Lebensführung andererseits gehören mittlerweile zum Standard bei Bewerbern/-innen für die Auswahl der richtigen Position. Haben sich Unterneh- men auf diesen Wertewandel eingestellt oder sind sie nach wie vor in ihrem tra- dierten Wertekorsett von Leistung und Arbeitszeit gefangen? Christoph Stichel: Es gibt Studien, die be- sagen, der wichtigste Benefit, den Unter- nehmen ihren Mitarbeitern anbieten, ist Zeit. Hierauf stellen sich Unternehmen in ihrer Bewerber-Kommunikation stark ein. In den allermeisten Fällen sind die Angebote aber auf spezielle Situationen zugeschnitten, die auch vom Gesetzgeber vorgeschrieben sind, beispielsweise Eltern – oder Pflegezeit für nahe Angehörige. Es gibt aber auch Themen, bei denen wir schon einen immensen Wandel sehen. War das Thema Home-Office vor ein paar Jahren noch einem kleinen Kreis vorenthalten, ge- hört das Angebot heute bei vielen Positionen schon zum Standard. Können Sie diesen Wertewandel auch bei Führungskräften feststellen oder gelten hier nach wie vor die alten Rollenbilder? Christoph Stichel: Ich denke, wir sind in ei- ner Phase, in der sich viele dieser Themen ändern und einige Veränderungen konnten wir auch schon beobachten. Zwei Monate Elternzeit zu nehmen, ggf. auch etwas mehr, ist heute in vielen Führungspositionen mög- lich und wird von den Führungskräften auch wahrgenommen. Das gab es vor 10, 15 Jahren wesentlich seltener. Andererseits: Langfristig in einer Spitzenposition in Teilzeit zu arbeiten, ist eine Seltenheit. Ein solches Suchmandat für eine Teilzeitposition haben wir auch noch nicht begleitet. Ich bin gespannt, wann dies zum ersten Mal der Fall sein wird. Welche Werte stehen bei Bewerbern/- innen neben Vergütung und Bedeutung der Position besonders im Fokus? Christoph Stichel: Inhaltlich spannende Themen und ein innovatives Umfeld sind meist die Treiber für einen Wechsel. Hiermit gehen Möglichkeiten der Weiterentwicklung einher. Wir beobachten auch einen Trend, dass Kandidaten vermehrt auch wieder an einer Tätigkeit in einer Großstadt interessiert sind. Die Gehälter sind natürlich auf einem hohen Level – sie sind in der Entscheidungs- hierarchie aber nach hinten gerückt. Wie wirkt sich die Tatsache aus, dass verstärkt Frauen in Führungspositionen drängen? Christoph Stichel: In Unternehmen gibt es verstärkt Mentoring-Programme für Frauen, die so auch stärker in Führungspositionen nachrücken. In der externen Besetzung haben wir auch auf Kandidatenseite immer öfter Parität zwischen den Geschlechtern. Noch ist es aber nicht die Norm. In Großunternehmen und internationalen Konzernen scheint man sich auf diesen division one – Herausforderungen in der Personalberatung Unternehmen&Trends sprach mit Christoph Stichel, Managing Partner bei division one division one ist eine international tätige Personalberatung mit Sitz in Stuttgart. Ihre Branchenschwerpunkte liegen im Bereich Automotive, Industry und Technology. Die Geschäftsbereiche gliedern sich in Executive Search, Interim Management, Non-Executive Directors und HR-Consulting. Bild: © division one 42  Unternehmen & Trends Christoph Stichel

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