Unternehmen & Trends - Ausgabe 1/2018

Parallel zur Fertigungswelt und getrieben durch große IKT-Anbieter entstehen derzeit verschiedene Plattformen für das Industrielle Internet der Dinge (IIOT). Mit ihnen soll es möglich sein, Daten aus der Fertigung zu sammeln, auszuwerten und mit Hilfe von Al- gorithmen letztlich denselben Nutzen zu er- zielen wie mit MES, indem beispielsweise die Verfügbarkeit von Maschinen und Anlagen verbessert wird. Trotz großer Leistungsfähig- keit in der Verarbeitung der Daten leiden viele dieser Plattformen daran, dass der Zugang zu Daten aus Maschinen und Produktions- anlagen schwierig ist. Einer der Gründe da- für ist, dass viele kleine und mittelständische Ausrüster hochproduktive und zuverlässige Maschinen und Anlagen liefern, mit denen weltweit qualitativ hochwertige Produkte hergestellt werden. Diese mittelständischen Unternehmen bilden das Rückgrat der deut- schen Industrie. Sie sind hochspezialisiert und bieten teilweise maßgeschneiderte Lö- sungen für genau eine Fertigungsaufgabe an. Mit den Daten, die die Maschinen und An- lagen während des Fertigungsprozesses erzeugen, rücken datenbasierte Dienstleis- tungen rund um die eigentlichen Produk- tionsanlagen in den Fokus des Interesses. Schlüssel zu solchen neuen, produktbeglei- tenden Dienstleistungen sind Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT). Sie durchdringen den traditionellen Maschinen- und Anlagenbau immer stärker und schaffen Potentiale für innovative Dienstleistungen. Es liegt auf der Hand, dass sich mittelständische Maschinen- und Anlagenbauer zukünftig viel stärker als heute mit Themen wie IT-Anwen- dungen, Schnittstellen, Kommunikation oder IT-Sicherheit auseinander setzen, Kooperati- onspartner finden und neue Dienstleistungen aufbauen müssen. Genau hier beginnt die Herausforderung. Die angestrebte internetbasierte Vernetzung in der Industrie 4.0 erfordert, dass Maschinen und ihre Komponenten als Datenquellen eine maschinenlesbare Selbstbeschreibung mit- bringen, die den Inhalt der Daten beschreibt, die eine Maschine bereitstellen kann: eine Art „Maschinentreiber“. Diese „Treiber“ sind zwin- gend erforderlich, wenn Maschinen und An- lagen miteinander vernetzt oder an ein über- lagertes System (MES oder IIoT-Plattformen) angeschlossen werden sollen. Gibt es - wie heute - diese „Maschinentreiber“ kaum, muss sich der Betreiber oder Systemintegrator mit der sprichwörtlichen babylonischen Spra- chenvielfalt seinen Maschinen und Anlagen plagen. Wenn sich Industrie 4.0 zielgerichtet und auf breiter Basis durchsetzen soll, muss die produzierende Industrie die Sprachenviel- falt beherrschen. Selbstbeschreibung von Maschinen, Anlagen und Komponenten Die Verbindung verketteter Maschinen und Anlagen mit einem übergeordneten IT-Sys- tem erfolgt heute zum großen Teil manuell. Grund dafür ist die Tatsache, dass der Ma- schinen- und Anlagenbau nach wie vor weit- gehend mittelständisch geprägt ist, sodass Produktionsbetriebe ihre Anlagen von diver- sen Lieferanten erhalten. Dementsprechend sind die Anlagen heterogen ausgestattet Lösungsansätze für herstellerunab- hängige, standardisierte Schnittstellen in der Produktion Von Dr. Olaf Sauer, Fraunhofer IOSB In der Industrie 4.0 sind Maschinen, Anlagenkomponenten und IT-Systeme miteinander vernetzt, so dass jede Kompo- nente der Fabrik über die relevanten „Partner“ informiert ist. Die schon seit vielen Jahren in der Fertigung verbreiteten IT-Systeme werden als Manufacturing Execution Systeme (MES) bezeichnet. Wichtigster Nutzen dieser Werkzeuge ist es, Fertigung und Montage für die einzelnen Beteiligten einer Fabrik transparent zu machen und letztlich günstiger, qualitativ besser und schneller zu produzieren. Dieser Nutzen entsteht allerdings erst dann, wenn ein großer Teil der Fertigungseinrichtungen mit dem MES verbunden ist. 12  Unternehmen & Trends Bilder/Grafiken: © IOSB Dr. Olaf Sauer Herausforderung der ‚Sprachvielfalt‘ in der Produktion

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