34 Das IC-Tape kann diese Funktion nicht an angrenzende Bauteile delegieren. Es muss die Anforderungen eigenständig und vor allem dauerhaft erfüllen. Scherkraft „schlägt“ Haftkraft Mit den steigenden mechanischen Anforderungen rückt die Art der Belastung stärker in den Fokus. Klassische Label werden über ihre Haftkraft bewertet. IC-Tapes sind jedoch echte Funktionsteile. Entscheidend bei ihnen sind die Scherfestigkeit und eine definierte Reißfestigkeit. IC-Tapes müssen hohe Spannungen aufnehmen, ohne sich unter Last zu verschieben oder vorzeitig zu lösen. Schadensbilder wie das sogenannte Flagging wirken zunächst wie ein Haftungsproblem, beruhen in der Praxis jedoch meist auf unzureichender Scherfestigkeit. Bei der Auslegung moderner IC-Tapes zählt nicht eine einzelne Produkteigenschaft. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Airbaggeometrie, Einbausituation und Fahrzeugkonzept. IC-Tapes müssen sich präzise in das jeweilige System einfügen und unter realen Belastungen reproduzierbar funktionieren. Schreiner ProTech entwickelt IC-Tapes daher anwendungsspezifisch und bewertet Auslegungen unter anderem im Hinblick auf mechanische Beanspruchung, Applizierbarkeit und Serienprozesse. Ferner kann das IC-Tape auch noch kundenindividuell bedruckt werden, und damit die Aufgaben eines zusätzlichen Labels mitübernehmen. Mit zunehmender Größe und Komplexität moderner Inflatable-Curtain-Systeme wird die Fähigkeit, bewährte Konzepte auf veränderte Dimensionen zu übertragen, künftig noch stärker über die Leistungsfähigkeit moderner Airbagsysteme entscheiden. www.schreiner-group.com Produkte und Märkte IC-Tapes: Kein Randthema trotz Randlage Von Michael Spörl, Schreiner ProTech, Oberschleißheim Lange galten die Tapes zur Sicherung des aufblasbaren Vorhangairbags (Inflatable Curtain, IC) als notwendige, aber eher unscheinbare Komponente der Sicherheitsarchitektur. Mit der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Airbagsysteme verändern sich jedoch Geometrien und Einbauräume – und damit auch die Anforderungen an die eingesetzten IC-Tapes. Schreiner ProTech begleitet diese Entwicklung seit Jahren und übersetzt die veränderten Rahmenbedingungen in angepasste Materialien, Designs und Prozesse. Rund 30 Millisekunden. Etwa fünfmal schneller als ein Wimpernschlag. So viel Zeit bleibt, bis ein Seitenvorhangairbag seine Schutzposition erreicht. Dass das gelingt, entscheidet sich nicht allein am Airbag selbst, sondern an allen beteiligten Komponenten. Genau hier kommen IC-Tapes ins Spiel. In kompakten Fahrzeugen reichten früher wenige dieser Spezialtapes aus. Heute hat sich die Anzahl – abhängig von Fahrzeugsegment und Airbaggeometrie – teilweise verdreifacht. Insbesondere in Märkten wie den USA und China, in denen sich der Fahrzeugmix stark in Richtung SUVs und Microvans verschoben hat, erstrecken sich Inflatable-Curtain-Airbags zunehmend über nahezu die gesamte Fahrzeugseite. Mit der steigenden Länge unterscheiden sich die Eigenschaften der Einzelkomponenten dementsprechend stärker – und die Anforderungen an die IC-Tapes variieren je nach Position und Lage. Präzision mit Systemwirkung Für den Airbag ist eine präzise Verarbeitung nicht nur essenziell, sondern im Funktionsfall überlebenswichtig. Endlosmaterial bietet Flexibilität bei der Längengestaltung, gestanzte IC-Tapes ermöglichen eine deutlich höhere Präzision in der Applikation. Über die gesamte Lebensdauer des Fahrzeugs wirken Luftfeuchtigkeit, Temperaturschwankungen und mechanische Dauerbelastung auf das Material ein. Gleichzeitig spielt die Schwerentflammbarkeit eine zentrale Rolle – eine Eigenschaft, bei der viele Materialien in dieser Anwendung an ihre Grenzen stoßen. Bild: © Schreiner ProTech
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