Kreatives Zentrum für die Autofarben der Zukunft

Color Design Studio Europe feiert Jubiläum

Im Gespräch mit Mark Gutjahr, Leiter Automotive Color Design EMEA beim Unternehmensbereich Coatings von BASF

Ein kreativer Ort: Das Color Design Studio Europe in Münster-Hiltrup

Als Kompetenzzentrum für die Gestaltung neuer Farbkonzepte für die Automobilindustrie wurde vor zehn Jahren das Color Design Studio Europe am BASF-Standort in Münster-Hiltrup eröffnet. In einem offen gestalteten Gebäude im Bauhaus-Stil übertragen die Designer des Unternehmensbereich Coatings von BASF technische und gesellschaftliche Trends in Automobilfarben – und diskutieren ihre Ansätze mit den Designabteilungen der Automobilhersteller.

Was macht die Besonderheit des Color Design Studios aus?

Das Color Design Studio Europa ist nicht bloß ein Arbeitsplatz, es ist vielmehr ein Raum für Co-Creation, in dem regelmäßig Workshops stattfinden. Unsere Kunden schätzen die konzentrierte Arbeitsatmosphäre, die das Studio durch seine Abgeschiedenheit außerhalb des Werkgeländes der BASF bietet. Gleichzeitig sind wir nah genug an den Laboren, in denen die Kollegen die Konzepte in Lackformulierungen übertragen. Das Herzstück des Studios bildet die Präsentationsfläche, wo wir unter Berücksichtigung unterschiedlicher Lichteinstellungen die Wirkung der Farben darstellen können. Aber auch die Digitalisierung hält Einzug in unsere Arbeit. Derzeit entwickeln wir Methoden, Autofarben mit sämtlichen Effekten und Farbveränderungen digital zu visualisieren.

Welche Herausforderungen gibt es bei der Gestaltung von Autofarben?

Die Automobilindustrie ist ein Innovationstreiber und die Anforderung an das Farbdesign ist es, diesen Fortschritt zu transportieren und sichtbar zu machen. Im großen Unterschied zur Modeindustrie sind dies keine schnelllebigen Trends, die sich in saisonalen Farben ausdrücken. Autolack ist eines der komplexesten Farbthemen, die es überhaupt gibt. Auf einer sehr dünnen Schicht – vergleichbar mit einem menschlichen Haar – orientieren sich die Partikel so unterschiedlich und reflektieren das Licht so speziell, dass eine wahnsinnige Tiefe generiert wird. Entsprechend können bis zu fünf Jahre vergehen, ehe die Farben eine Serienreife erlangen.

Wie viele Farben entstehen pro Jahr?

Wir entwickeln sehr viele Farbkonzepte, die wir mit den Kunden detaillierter ausarbeiten und für die jeweiligen Fahrzeugmodelle anpassen – daher gibt es immer einen Unterschied zwischen Farbideen und tatsächlichen Farbtönen. Jährlich kommen da mehrere hundert Konzepte zusammen, aus denen dann in einigen Jahren ausgearbeitete und geprüfte Farbtöne werden. Allein die Automotive Color Trends, unsere globale Farbtrendkollektion, enthält 65 Key Colors – Schlüsselfarben, die für die jeweiligen Regionen prägend sind. Da wir mit fast allen Automobilherstellern zusammenarbeiten, haben wir in Europa aktuell über 600 Farbtöne in Produktion und permanent entstehen neue.

Erfordern neue Mobilitätskonzepte auch neue Farben?

Autonomes Fahren und Elektromobilität spielen als Megatrends eine wichtige Rolle in der künftigen Farbgestaltung. Vor allem im Bereich des autonomen Fahrens ändert sich das Auto von einem dynamischen, selbstgesteuerten Fahrzeug hin zu einem eher passiv genutzten Objekt. Dies wirkt sich sowohl auf den Innenraum als auch auf die Farbgestaltung der Außenhaut aus. Der Lack gewinnt an Funktionalität – wie etwa in der Unterstützung von Sensortechnik wie Radar und Lidar. Zusätzlich können besondere Farbkonzepte als Differenzierung von autonomen zu nicht-autonomen Fahrzeugen in Betracht gezogen werden.

Bei Elektrofahrzeugen wird die Farbgestaltung sehr unterschiedlich eingesetzt: einige Hersteller haben sich auf bestimmte Kommunikationsfarben festgelegt, die den Start der Modelle unterstützen. Andere wiederum haben ihre Modelle nicht farblich herausgehoben. Viele Hersteller haben sich auf dem Markt positioniert und bieten bereits eine breite Produktpalette an. In einer zweiten Welle von EV-Cars wird sich im Bereich der Farbgestaltung noch einiges tun – die Zukunft wird sehr spannend!

Link:

BASF Coatings Division

Quelle: OEM&Lieferant, Ausgabe 2/2018