Truck-Strategie bei ElringKlinger

Fokus auf alte – und neue Welt!

Von Peter Renz, Unternehmenskommunikation, ElringKlinger AG

ElringKlinger bietet Automobil-Erstausrüstern und Nutzfahrzeugherstellern neben verschiedenen Komponenten auch komplette Brennstoffzellen-Stacks an. © ElringKlinger AG

Die Automobilindustrie befindet sich im Wandel. Gerade im Pkw-Bereich wird jeder Stein herumgedreht und alles Bisherige hinterfragt. Dass es im Nkw-Bereich dadurch weniger zu tun gibt, bestreitet Dr. Stefan Wolf, Vorstandsvorsitzender bei ElringKlinger dagegen. Einerseits gibt es auch hier klar erkennbare Trends in Richtung Elektromobilität und zudem bietet er noch viel Potenzial. Allen voran in China.

Zum ersten Mal seit sechs Jahren präsentiert sich ElringKlinger wieder mit einem eigenen Messestand auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) Nutzfahrzeuge in Hannover. Auf knapp 250 Quadratmetern bietet sich den Besuchern in Halle 17, Stand B12 ein breites Spektrum an innovativen Produkten für Trucks und Nutzfahrzeuge. „Auch im Nutzfahrzeug-Bereich stehen wir vor enormen Herausforderungen. Zum einen ist die Branche traditionell sehr kostensensibel und auf der anderen Seite müssen wir auch hier den Spagat zwischen alter und neuer Welt schaffen. Das ist nicht leicht“, so Wolf. Bisher klappt das jedoch recht erfolgreich. Neben Zylinderkopf- und Spezialdichtungen sowie Abschirmsystemen, sind es vor allem Kunststoff-Leichtbauteile und -module, die ElringKlinger liefert. Bei Ölwannenmodulen ist das Unternehmen Weltmarktführer –mit Produktionsmöglichkeiten auf 3.000-Tonnen-Spritzgussmaschinen in Deutschland, China und dem NAFTA-Raum. Auch im Truck-Bereich verfügt das Unternehmen aus Dettingen/Erms über eine einzigartige Materialkompetenz, umfassendes Produktions-Know-how im Bereich hochpräziser Metallverarbeitung (Stanz-, Prage- und Umformprozesse) in Kombination mit verschiedenen Beschichtungsverfahren. „Zusätzlich sind es unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit klugen Ideen dafür sorgen, dass wir auch im Heavy-Duty-Bereich wachsen“, erklärt der Vorstandsvorsitzende. Das Ziel des Automobilzulieferers im Bereich des Verbrennungsmotors ist klar: Emissionen verringern durch optimierte Bauteile.

China verlangt nach Brennstoffzellentechnologie

Zunehmend ist auch der Trend zur Elektromobilität bei Nutzfahrzeugen erkennbar – und ElringKlinger hat bereits konkrete Lösungen. „Unsere PEM-Brennstoffzellenstacks werden in industriellen Anwendungen im mobilen Bereich, wie beispielsweise kleinen Nutzfahrzeugen und Flurförderzeugen eingesetzt. Auch für Busse und Lkw gibt es konkrete Anfragen. Das Geschaft zieht an“, freut sich Wolf. Im Fokus steht dabei aktuell der Leitmarkt fur Elektromobilitat, China. Dort werden Brennstoffzellen in hohem Maße staatlich unterstützt –bis zu 70.000 Euro gibt es pro Brennstoffzellen-Bus, was zu einem enormen Hype führt. Bisher konzentrierte sich ElringKlinger stark auf Bipolarplatten und Brennstoffzellen-Stacks, also auf das Herz des Systems. In China ist die Situation so, dass dort die ganze Technologie benötigt wird. „Das bedeutet, dass wir heute Systemtechnologien mitliefern mussen, damit asiatische Hersteller in der Lage sind, unseren Stack zu betreiben. Demzufolge verfolgen wir derzeit auch das Thema Systemtechnologie sehr intensiv. Wir planen auf der IAA einen Show-Lkw vorzustellen, der einen Brennstoffzellen-Range-Extender beinhaltet“, kündigt Armin Diez, Vice President Battery Technology & E-Mobility, an. Die Idee dahinter: Die Dynamik bzw. der Beschleunigungsbetrieb wird mit einer verkleinerten Batterie abgedeckt, für die längere Reichweite sorgt eine kleine Brennstoffzelle. Das hat mehrere Vorteile, denn zum einen stellt dieses Konzept hinsichtlich der Kosten eine echte Alternative zum reinen Batteriebetrieb dar, der auf Langstrecken ausgelegt werden muss, zum anderen aber auch zu reinen Brennstoffzellen-Fahrzeugen, die dann Brennstoffzellen mit etwa 100 bis 150 kW enthalten müssten.

Brennstoffzelle oder Batterie? Am besten beides!

Erfolgsversprechend ist das Modell insbesondere für den Logistikverkehr sowie im Transportwesen. „Wir haben hier schon verschiedene Gespräche mit großen Speditionen geführt, mit denen wir die verschiedenen Szenarien durchgerechnet haben. Es gibt Strecken, die sich rein batterie-elektrisch fahren lassen. Bei längeren Strecken aber wird es schwierig, weil ein groser Teil des Frachtgewichts wegfallen muss, wenn man für hohe Reichweiten rein batterie-elektrisch sehr große und schwere Batterien verwenden muss. Auch die Ladezeit fur eine solche Batterie darf nicht unterschätzt werden“, so Diez. Vergleicht man diese mit der Tankzeit von Wasserstoff, bringt das entscheidende Vorteile gegenüber der Batterieladung mit sich –ähnlich wie bei der Benzin- oder Diesel-Betankung.

Ergänzend zu den alternativen Antriebstechnologien, verringern verschiedene Leichtbau-Lösungen das Fahrzeuggewicht, sodass die Reichweite nochmals verlängert werden kann.

ElringKlinger auf der IAA Nutzfahrzeuge

Halle 17, Stand B12

Link:

ElringKlinger

 

Quelle:

OEM&Lieferant, Ausgabe 2/2018