Automatisierung, innovative Antriebe, Vernetzung

Interview mit Vimcar-Geschaftsführer Andreas Schneider über die Mobilität der Zukunft

Rund 85 Prozent der befragten deutschen Arbeitnehmer wünschen sich mehr Entlastung bei Routinearbeiten. Das zeigt eine Umfrage des US-Unternehmens Wrike vom April 2018. Ganz oben auf der Wunschliste: „Datenverwaltung und -dokumentation“. „Dabei ist Prozessoptimierung im Betriebsalltag manchmal ganz einfach“, meint Vimcar-Geschaftsführer Andreas Schneider. „Bereits heute gibt es für stark administrative Berufe – wie etwa Fuhrparkmanager – effiziente und kostensparende Digital-Lösungen.“ So hat das Berliner Startup Vimcar eine Flottenmanagement-Software entwickelt, die auf die Bedürfnisse kleiner und mittelständischer Unternehmen zugeschnitten ist.

Herr Schneider, weshalb braucht es ein „digitales Fuhrparkmangement“?

Andreas Schneider: Für beinahe jedes Unternehmen in Deutschland ist der Firmenwagen ein Thema – das in der Praxis allerdings oft unnötig viel Geld, aber auch Zeit bindet: Laut einer aktuellen Studie des Bundesverbandes Fuhrparkmanagement fallen pro Betrieb durchschnittlich über acht Stunden Arbeitszeit pro Woche für die Verwaltung des Fuhrparks an.

In den meisten Fallen gibt es allerdings keine Person, die sich ausschließlich um die Fuhrparkverwaltung kümmert – das machen die Geschaftsführung, die Buchhaltung oder die Personalabteilung meist nebenher. Deshalb war unsere Idee, ein digitales Firmenwagen-Tool zu entwickeln, das den Nutzern den gesamten administrativen Aufwand abnimmt.

Stichwort: „Mobilität der Zukunft“. Was sind die größten Herausforderungen?

Andreas Schneider: Heute geht es in puncto Mobilität nicht mehr nur um den Aspekt: „Wie komme ich am schnellsten von A nach B?“ Sondern immer auch um die Fragen: Wie lassen sich meine Mobilitäts-Bedürfnisse nicht nur zeit- und kosteneffizient, sondern zugleich auch umweltverträglich erfüllen? Dabei zeichnen sich verschiedene Trends ab: eine stärkere Vernetzung, Automatisierung und alternative Antriebe.

Sie meinen damit etwa selbstfahrende Autos?

Andreas Schneider: Ein großer Trend ist sicher die Automatisierung: Uber, Google mit Waymo, Tesla, aber auch die deutschen Automobil-Hersteller – von Audi über BMW und Daimler bis hin zu VW – arbeiten mit Hochdruck an diesem Thema. Meines Erachtens wird es nicht mehr lange dauern, bis sich vollautomatisierte Mobilitätslösungen auch im Individualverkehr durchsetzen. Für den Schienenverkehr gibt es hingegen bereits heute – etwa in Nürnberg – praxistaugliche Modellprojekte.

Und zweitens geht es natürlich auch um neue technische Antriebsmöglichkeiten – von Hybrid-Lösungen über Wasserstoff-Brennzellen bis hin zu Solar- und Elektro-Modellen. Dabei gibt es international zahlreiche Firmen, die im Augenblick neue Mobilitäts-Lösungen entwickeln: Vom „Flugtaxi“, das momentan etwa in Bratislava (Aeromobil) und Bruchsal (Volocopter) erprobt wird, über abgasfreie  Frachtschiffe (Nippon Yusen Kaisha, Tokio) bis hin zu Frachtdrohnen (Nautilus, Richmond) und Überschallzügen (Virgin Hyperloop One, Los Angeles).

Was wird uns in den nächsten fünf bis zehn Jahren erwarten?

Andreas Schneider: Die digitale Vernetzung von Fortbewegungsmitteln wird weiter voranschreiten: In einem modernen Mittelklasse-Wagen sind bereits heute durchschnittlich 70 Mikrochips, bis zu fünf Bus-Systeme und 100 Millionen Zeilen Befehlscode integriert. Innerhalb weniger Jahre hat sich das Auto vom reinen Fortbewegungsmittel hin zur mobilen Digital-Schnittstelle gewandelt. In Zukunft werden „vernetztes Fahren“ und „smart mobility“ weiter an Bedeutung gewinnen: Wie lassen sich nicht nur einzelne Fahrzeuge, sondern auch mehrere Verkehrsmittel intelligent steuern?

Hier sehen wir Vimcar in einer Pionierrolle, gerade was Lösungen für den Mittelstand betrifft: Unser Ziel ist es, das Flottenmanagement der Zukunft komplett neu zu definieren. Mit Vimcar Fleet automatisieren wir bereits heute den gesamten Prozess rund um den Firmenwagen – von der Leasingvertrags-Verwaltung über die Fahrzeugbuchung und das Tankkarten-Management bis hin zur automatischen Führerscheinkontrolle.

 

Link:

Vimcar GmbH

Quelle: OEM&Lieferant, Ausgabe 2/2018