Eindeutig ein Original!

Von Selma Kürten-Kreibohm, Redakteurin, Bluhm Systeme GmbH, Rheinbreitbach

Schon der erste Kaiser von China ließ seine Waffen kennzeichnen, damit diese bis auf die Werkstätte und den Arbeiter zurückverfolgt werden konnten. Produkte zu serialisieren ist in vielen Branchen heute aktueller denn je. Auch die Automotive Branche serialisiert ihre Produkte. Die Kennzeichnungssysteme sind an die moderne Produktion angepasst.

Das Standardisieren und Kennzeichnen von Produkten kam nicht erst in der Neuzeit auf: Der erste Kaiser von China, Qin Shihuangdi, führte bereits 200 vor Christus eine einheitliche
Schrift und Währung sowie standardisierte Maße und Gewichte ein. Auch waren damals schon Rückverfolgbarkeit und Qualitätssicherung Thema: Unter der Herrschaft des Kaisers
wurden die Waffen speziell gekennzeichnet, damit Inspekteure der Armee minderwertige Waffen bis auf den Produzenten zurückverfolgen konnten. Was damals als fortschrittlich
galt, ist heute in der Automotive-Industrie gang und gäbe.

Denn gefälschte Ersatzteile richten in der Automobilbranche jährlich immensen wirtschaftlichen Schaden an. Darüber hinaus stellen sie ein erhebliches Sicherheitsrisiko für den Autofahrer dar. Aus diesem Grund rüstet die Automotive Industrie seit Jahren auf: Im Kampf gegen Fälscher versuchen sie ihre Produkte zu schützen und als Original verifizierbar zu machen. Die Beteiligten in der Lieferkette – Händler, Werkstätten und End-Kunden müssen in der Lage sein, schnell und einfach die Echtheit eines Produktes festzustellen. Eine von mehreren möglichen Sicherheitskomponenten ist ein nicht verschlüsselter, serialisierter Dotcode oder Barcode, dessen Authentizität durch Abgleich mit einem Datenbestand überprüft werden kann.

Schon früh haben Mitglieder des europäischen Verbands der Kfz-Zulieferanten CLEPA ein System namens MAPP („Manufacturers against Product Piracy“) zur Produktüberprüfung auf Basis des GS1-Datamatrix implementiert, der die GTIN in Kombination mit der Seriennummer enthält. Optional kann der Datamatrix auch noch zusätzliche Produktinformationen enthalten.

Dauerhafte Datamatrix-Kennzeichnung – verifizierbar nach ISO/IEC 15415

Für das direkte Aufbringen des serialisierten Codes auf die Teile kommen Laserbeschrifter und intenstrahldrucker in Frage. Laser beschriften schnell und abriebfest. Mit ihnen lassen sich sehr gute und kontrastreiche Kennzeichnungen erzeugen. Die Datamatrix-Codierung ist gemäß der Richtlinie ISO/IEC 15415 verifizierbar. Für Standard-Kennzeichnungsaufgaben auf Materialien wie zum Kunststoff, Gummi, Papier, Pappe, Folien, beschichtete Metalle etc. sind CO2-Laser geeignet.

Bei anspruchsvollen Materialien wie Edelstahl und Kunststoff (ABS) werden in der Regel Faserlaser eingesetzt. Sie werden beispielsweise zur Kennzeichnung von Krümmern oder Getriebeschalthülsen eingesetzt. Die Faserlaseroptik ist wartungsfrei und mit bis zu 100.000 Betriebsstunden sind diese Laser sehr effizient.

Für die Codierung sehr empfindlicher Kunststoffkomponenten gibt es diodengepumpte Laser mit unterschiedlichen Wellenlängen. Besonders materialschonend ist ein Laser mit der
sehr kurzen Wellenlänge von 0,53 μm (grün). Er erzeugt einen Farbumschlag auf der Produktoberfläche. Hierbei entsteht keine große Hitze, sodass auch in diesem Zusammenhang
von einer „kalten Markierung“ gesprochen werden kann. Aufgrund des sanften Markiervorgangs ist dieses Verfahren geeignet, um feine Kunststoffe besonders hoch auflösend und mit starkem Kontrast zu beschriften.

Damit auch in beengten und verwinkelten Produktionsanlagen Bauteile codiert werden können, stehen verschiedene Strahlführungsmodule für die Laser zur Verfügung. Laser sind zwar in der Anschaffung teurer als Tintenstrahldrucker, rechnen sich aber im laufenden Betrieb: Sie benötigen keine Verbrauchsmaterialien und sind wartungsarm. Da beim Kennzeichnungsvorgang Rauch- und Staubpartikel entstehen, ist jedoch eine Absaugung notwendig. Hier muss in einigen Abständen der Filter gewechselt werden.

Vielseitig und kontrastreich kennzeichnen

Alternativ zu den Lasermarkierern können auch Tintenstrahldrucker eingesetzt werden. Die thermischen Markoprint Tintenstrahldrucker eignen sich für das Beschriften saugfähiger
und nicht-saugfähiger Materialien. Ausgestattet mit den Tintentechnologien Hewlett Packard oder Funai drucken sie mit bis zu 600 dpi Auflösung. Der hohe Schwärzungsgrad ermöglicht
kontrastreiche Drucke. Die angepasste Kartuschen-Ansteuerung sorgt für eine sehr gute Druckperformance. Bei den Datamatrix-Codes ist ein B-Grading* Pflicht, ein A-Grading
Kür. Da mit jedem Wechsel der Kartusche automatisch der Druckkopf erneuert wird, sind die Drucker wartungsfrei und die Druckqualität konstant sehr gut. Die Anbindung und
Druckdatenversorgung erfolgt serienmäßig über eine XML-Ansteuerung. Extern generierte, randomisierte Seriennummern werden 1:1 eingespielt.

Continuous Inkjet-Codierer sind vielseitig einsetzbar, denn sie können Materialien wie Kunststoff, Glas, Metall etc. kennzeichnen. Die Codierungen sind immer sehr gut lesbar.
Eine kontrastreiche Codierung auf dunklen Materialien ist mit pigmentierten Tinten möglich. Mit Schrifthöhen ab 1,8 mm werden sie häufig in der Automotive-Branche für die
Kennzeichnung von Kabeln und Komponenten eingesetzt.

Welche Technologie wann sinnvoll ist, hängt immer von der jeweiligen Anwendung ab. Produktionsgeschwindigkeit und zu kennzeichnendes Material sind dabei zwei wichtige
Faktoren.

(Quelle: OEM & Lieferant, Ausgabe 1/2017)