Von Astrid Wilhelm-Wagner, Leiterin PR & Marketing, VOIT Automotive GmbH

Elektromobilität und Autonomes Fahren sind der automobile Zukunftstrend und „elektrisieren“ Autofahrer, OEM und Zulieferer gleichermaßen. Ist Elektromobilität in vielen Automärkten weltweit noch ein Nischenthema und die Sättigungsrate
in aufstrebenden Ländern mit Fahrzeugen mit konventioneller Antriebstechnik noch lange nicht erreicht, so ist der Kampf unter den OEM und 1st Tier Lieferanten um neue Zukunftstechnologien, Märkte und Produkte doch schon in
vollem Gang.

Wichtiger Treiber des schrittweisen Wandels von konventioneller Antriebstechnik zur Elektromobilität sind zunehmend schärfere gesetzliche Rahmenbedingungen, allen voran die CO2-Regulierung sowie der Kundenwunsch nach Mobilität auf hohem Niveau und Fahrspaß gerade der „Generation Y“. Denn klar ist: Die Elektromobilität ist im Anmarsch und die noch hemmenden Faktoren wie Ladezeit, Reichweite und niedrige Stückzahlen werden sich wohl schneller erledigen, als vermutet. Nicht aber die Kosten. Wie gestaltet man nun als Zulieferer in der Phase des Wandels den  Umbau des Produktportfolios ökonomisch und ökologisch?

Hybridisierung & Elektrifizierung: innovative Technologien für ein breites Publikum

Hybridisierung und Elektrifizierung sind Schlüsseltechnologien, um die geforderten Grenzwerte von 95g CO2/km in 2020 einzuhalten und durch ihren modularen Ansatz im Stande, bezahlbare Lösungen zu bieten. Die großen Zulieferer bringen sich bereits jetzt in Stellung für den anziehenden Hybridmarkt, der in den frühen 2020ern erwartet wird und konzentrieren sich auf die Elektrifizierung des Antriebs, ob hybrid oder rein elektrisch. Statt der bisher nachträglich angedockten Elektrifizierung  setzen die Getriebespezialisten zunehmend auf die Integration von E-Maschine und Leistungselektronik ins Getriebe. So sind die Getriebe ohne zusätzlichen Bauraumbedarf leicht in bestehende Fahrzeugserien zu verbauen und können hinsichtlich Kosten,  Performance und Effizienz sinnvoll weiter entwickelt werden. Viele Hersteller setzen dabei auf Baukastenlösungen, um sowohl Mild-, Voll-, oder Plug-In-Hybride anbieten zu können. Dabei werden die neuen Antriebe direkt mit Fahrerassistenzsystemen verknüpft, um z. B. beim Beschleunigen und elektrischen Fahren Kraftstoff zu sparen oder in Kurven oder vor Ampeln Bremsenergie zur Rekuperation zu nutzen.

Sehr fortschrittlich sind DHT (Dedicated Hybrid Transmission), also leistungsverzweigte Getriebe, die zwei mechanische Eingangsmomente, Verbrennungskraftmaschine und Elektromaschine, für den gewünschten Fahrzustand optimal summieren.

Prozessentwicklung und Serienlieferung aus einer Hand

Entscheidend ist nun der Faktor Zeit. Damit OEM und 1st Tier Supplier durch schnellen Markteintritt ihren Marktanspruch auch gegen neue Player wie Google & Co sichern, brauchen sie leistungsfähige Partner. Partner, die die Fertigungsprozesse für solche komplexe,  anspruchsvolle Komponenten schnell, effizient und prozesssischer aufsetzen und dann in Großserie zuverlässig liefern. Die VOIT Automotive sieht als ihr „Produkt“ den „Prozess“ an. Ihre Unternehmensleistung besteht darin, ihren Kunden (OEM und 1st tier supplier)  in deren Produktentwicklungsphase eine prozessunabhängige Fertigungsberatung zu bieten, an deren Ende sich nahtlos die hauseigene kostengünstige Umsetzung in Aluminiumdruckguss oder Umformtechnik oder einer Kompositfertigung anschließt. Diese Synergieeffekte  kann nur ein Anbieter liefern, der alle Technologien unter einem Dach hat. Das Ergebnis ist ein robuster sicherer Prozess für die Großserienfertigung kundenindividueller einbaufertiger Komponenten. Mechanische Bearbeitung und Oberflächenkonditionierung,  Montageleistungen für einbaufertige Baugruppen und innovative neue Schweißverfahren runden das Leistungsportfolio ab.

Dieses Gesamtpaket beschleunigt den Markteintritt des OEM, indem es Entwicklungszeit für Produkt- und Fertigungsprozess verkürzt, schnellen Serienanlauf ermöglicht und durch die optimale Produktauslegung hinsichtlich Werkstoff, finales  Design und Prozess Einbaugewicht und Einbauzeit in der Baugruppenmontage oder Bandendemontage spart. Doch was hilft das einem Automobilzulieferer, insbesondere Großserienfertiger, wenn der Blick unter die Motorhauben von Elektrofahrzeugen unmissverständlich  zeigt, dass dort zukünftig deutlich weniger Bauteile zum Einsatz kommen: zumindest auf den ersten Blick.

Komponenten für zukünftige Fahrzeugkonzepte für das teilweise, bzw. voll autonome Fahren

Bei der Hybridisierung bestehender Antriebskonzepte, bis hin zu komplett integrierten elektrischen Antriebsmodulen fallen bereits heute Substitutionen zum bisherigen Fertigungssegment des konventionellen Antriebsstrangs an. Manche bestehende Bauteile  werden zukünftig komplett entfallen, andere bisherige Komponenten, wie z.B. Steuergeräte für Leistungselektronik, werden direkt ins Getriebe integriert. Analysiert man genauer mögliche Zielprojekte im Powertrain und in Elektrofahrzeugen, stellt man fest, dass sich für zukünftige Plug-In-Getriebe, DHT-Getriebe und elektrische Antriebe ein umfängliches Fertigungsportfolio im Bereich Elektrifizierte Getriebe, Achsen und Fahrerassistenzsysteme erschließt.

Auch in Zukunft werden moderne, hochkomplexe Aluminium-Druckgusskomponenten von VOIT gebraucht; ebenso komplexe Stahlkomponenten in Umformtechnik. Dazu gehören z. B. einbaufertige kundenspezifische Powertrain-Komponenten für Doppelkupplungs- und Automatgetriebe sowie zukünftige Getriebekonzepte: Zwischenplatten, Kolben, Töpfe sowie Hybrid-Bauteile. Ferner Elektronikgehäuse für Start-Stopp, Einspritzpumpengehäuse, Platinenträger, Kühlelemente für die Steuerungs- und Leistungselektronik sowie im Bereich Autonomes Lenken Gehäuse und Lagerschilde für elektrische Lenkmotoren und Motorgehäuse für Lenksäulenantriebe. Im Bereich Fahrwerkstabilisierung/ (Luft)Feder-Dämpfersysteme werden Federbeine und Kompressoren zur Luftfederung zum Einsatz kommen, im Bereich Autonomes Bremsen Bremskraftverstärker, Bremsassistenten ABS/ESP und Motorengehäuse für ABS/ESP-Controller. Auf dem Feld Automatisiertes Schalten im Antriebstrang sind es Bauteile für Getriebe und elektrische Maschinen, rotationssymmetrische Topfstrukturen,
Planeten- & Hohlradträger, Axialkolben, Leistungselektronikgehäuse und Lamellenträger.

In den nächsten Jahren wird sich das Zielproduktspektrum bei VOIT zunehmend und den Marktanforderungen konform auf Getriebeinnenteile, Gehäusestrukturen für die E-Mobility, Gehäusestrukturen für Leistungselektronik, Elektromotorengehäuse, wassergekühlte Motorgehäuse teils mit aktiver Flüssigkeitskühlung (dank einer neuen innovativen Schweißtechnologie) sowie Komponenten zur Energierückgewinnung und Brennstoffzellen-Stacks, ausweiten. VOIT hat dazu seine Produktion erheblich erweitert. Mit der Erweiterung des Gießzellenparks in St. Ingbert um eine Frech DAK 1600 reicht die Fertigungsrange im Aluminiumdruckguss nun von Bauteilen von 0,25 bis zu 15 kg, bei einer Schießkraft von 5.000 bis 16.000 kN. Über 50 Gießzellen stehen dazu an allen VOIT-Produktionsstandorten zur Verfügung.

Milestones im Jubiläumsjahr

Mit rund 2.000 Mitarbeitern an sechs Produktionsstandorten samt Kompetenz- und Produktionszentren für Aluminium-Druckguss, Kalt- & Warmumformung sowie Werkzeugbau in Deutschland, Polen, Mexiko und nun auch Frankreich ist VOIT 2017 in seinem nun 70sten Unternehmensjahr stolz auf zwei neuen Milestones: die Auszeichnung durch Ford mit dem Q1 Award und ein neues Gemeinschaftsunternehmen. Neu im VOIT Unternehmensverbund ist seit 01.01.2017 die französische Fonderie Lorraine S.A.S, ein Joint Venture der ZF Friedrichshafen
AG und VOIT Automotive GmbH unter Mehrheitsbeteiligung und Technologieführerschaft der VOIT Automotive. Dieses leistungsfähige Kompetenzzentrum erweitert die VOIT-Range nicht nur um größer dimensionierte Aluminiumdruckguss-Komponenten wie Zentrierplatten, Gehäuse und Deckel für Achsgetriebe sowie Verteilergetriebegehäuse, sondern erschließt auch den Weg zu ganz neuen Komponenten und Entwicklungen in der Antriebstechnik, eine Vision, die VOIT sehr elektrisiert.

(Quelle: OEM & Lieferant, Ausgabe 1/2017)